Winterblues oder Burn-Out im Selbstversorger-Offenstall

Februar 2016

 

Ein heikles Thema. Dennoch möchte ich es einmal aufgreifen. In vielen Foren lese ich aktuell vom „Winterblues“ von Eigenregie-lern, die nicht mehr wollen oder können. Das liegt ja oft nah beieinander das Wollen und das Können.

Wer könnte es einem verdenken. Man kämpft täglich mit zum Teil widrigsten Bedingungen: nass-kaltes, ekelhaftes Wetter, zum Teil grausame Bodenverhältnisse, kein Licht, kein fließend Wasser… Es ist schon wirklich erstaunlich, was viele sich zum (vermeintlichen) Wohl ihrer Pferde neben Vollzeit-Job und oftmals Familienmanagement noch alles so antun. Da wird im Halbdunkel frühs oder spät abgeäppelt, Heunetze gestopft, Wasser in Kanistern geschleppt und mit teilweise sehr kreativen Lösungen vor dem Einfrieren bewahrt. Das alles erscheint einem wie Sisyphus-Arbeit, liebevoll auch „und täglich grüßt das Murmeltier“ oder „same shit – different day“ genannt.

Ich ziehe meinen Hut vor all denen, die unter solchen Bedingungen über Jahre hinweg für ihre Pferde kämpfen.

Aber geht es unseren Pferden dadurch wirklich besser? Haben unsere Pferde was davon, wenn wir uns aufarbeiten, physisch wie psychisch? Wenn wir in den Wintermonaten wochenlang nicht aufs Pferd kommen und vor lauter Arbeit gestresst und fix und alle sind? Wir alle sagen „unsere Pferde spiegeln uns“. Tun wir uns und ihnen also wirklich einen Gefallen, wenn wir uns für sie kaputt arbeiten? Ich hinterfrage das absichtlich so kritisch. Auch ich war letzten Winter an einem Punkt, wo ich nicht mehr konnte. Mein Pferd war wochenlang krank, musste wegen mangelnder Bodenbefestigung und stoffwechselbedingter Mauke nachts in die Box. Also täglich Box misten, zusätzlich zum Paddock abäppeln, was wirklich Schwerstarbeit ist, wenn man mit dem Schubkarren kaum mehr durch den Matsch kommt. Jeden Tag drin zusätzlich füttern, die Mauke versorgen und dabei immer wieder Rückschläge erleben… Ich war wirklich am Ende.

Zum Glück hatte ich zu der Zeit 2 ganz wunderbare Reitbeteiligungen – und meine Eltern, auf die ich wirklich immer zählen kann. Hab mich dann spontan entschlossen, 2 Wochen weg zu fahren. Meine Mädels haben die Maukepflege übernommen, Papa das Misten. Ich traute meinen Augen kaum, als ich 2 Wochen später wieder zu Hause war. Ich war wirklich zu Tränen gerührt. Aber ich bin auch ehrlich. Wäre mir diese 2-wöchige Auszeit nicht ermöglicht worden – ich wäre zusammengeklappt. Und auch meinem Pferd schien es gesundheitlich sehr gut getan zu haben, dass ich mit meinen negativen Gedanken, Sorgen und meiner Überlastung einige Zeit nicht in seiner Nähe war. Mein Pferd ist sehr sensibel und spiegelt mich (leider) sehr intensiv.

Was können wir also tun, damit es uns nicht so geht? Ich versuche hier mal ein paar Punkte zusammen zu stellen, die uns sehr geholfen haben. Es sind sicher nicht alle für jeden realisierbar, aber oft hilft ja schon eine gewisse Erleichterung, damit man wieder Motivation und Aufschwung bekommt und nicht mehr alles so schwarz sieht.

Tipps und Tricks gegen den Winterblues:

  • Mal 5e grade sein lassen! Nehmt euch die Zeit für eure Pferde. Die sterben nicht, wenn mal einen halben Tag später abgemistet wird. Geht raus, genießt die Zeit im Gelände. Das tut auch dem geschundenen Rücken gut.
  • Sucht euch Unterstützung! Ob das eine RB ist, eine PB, die Familie oder ein Einsteller. Man braucht Leute, die verlässlich sind, die mithelfen und die einem mal einen freien Tag ermöglichen.
  • Versucht Arbeitsgänge zu erleichtern! Ja, nicht jeder hat einen landwirtschaftlichen Background und damit schwere Maschinen zur Unterstützung. Aber oft hilft es schon, wenn man statt 10 Netze zu stopfen auf eine Raufe umschwenkt. Macht den Misthaufen näher an den Paddock, befestigt eure Laufwege. Investiert in frostfreie Tränken. Manchmal reicht auch schon eine neue Äppelgabel oder ein leichterer Schubkarren.
  • Gönnt euch auch mal was! Geht mal zur Massage, schön Abendessen mit dem Partner, ins Kino oder auch einfach mal in die Badewanne mit Kerze, nem Glas Wein und nem guten Buch.

Wir tun alle unser Möglichstes, damit es unseren Vierbeinern gut geht. Aber bitte, bitte! vergesst dabei nicht euch selbst. Niemand, weder eure Tiere noch eure Familie, hat etwas davon, wenn ihr irgendwann wirklich zusammen klappt. Achtet auf euch, wenigstens halb so viel wie ihr auf eure Tiere achtet, dann kann es so schlimm gar nicht werden.

Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere (gern per Mail, wenn ihr anonym bleiben möchtet) noch seine Erfahrungen zu dem Thema schildert.

In diesem Sinne: Passt auf euch auf, gönnt euch n Bierchen und lasst es euch gut gehen!

Liebe Grüße
Eure Offenstalltussi

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