Wie kam es denn zur „Offenstalltussi“

Januar 2016

Da bin ich doch letztens in einer Facebook Gruppe tatsächlich als „Öko-Reiter“ tituliert worden… Hm. Was soll das denn sein? Hab dann mal gegoogelt und folgende Definition gefunden: Öko-Reiter – Boxenhaltung? Auf gar keinen Fall! Die armen Pferde! Nur Offenhaltung! Oder besser nur Weide mit Unterstand. Niemals nie wird ihr Pferd „hinter Gitter“ gebracht. Auch Trensen sind verboten, oder Sättel, oder eigentlich jegliche Art von „Unterwerfung“. Am besten nur mit Halsring in den Wald, wenn sie sich überhaupt auf ihr Pferd setzten und es nicht nur an der langen Leine spazieren führen. (Quelle: eqwo.net)

Ääääh, nein das bin ich nicht.
Aber auch die anderen in der Online-Reiterwelt geläufigen Begriffe „Öko-Offenstallmutti“, „Wald und Wiesen Hoppler“, „Wendy“ oder „Ostwindreiter“ treffen es nicht. „Zylinderzicke“ auch nicht und „Springreiter“ dank Arthrose schon drei Mal nicht.

Ich reite gern und viel, achte darauf, dass mein Pferd ordentlich trainiert und gymnastiziert wird, es hat passendes Zubehör und ein Halsring gehört nicht dazu…
Müssen wir dafür nun einen eigenen Begriff finden? Also für die Reiter, die ihre Pferde artgerecht in Gruppen in Offenställen halten, sie voll trainieren und gymnastizieren, ja sogar eindecken & scheren, Eisen drunter nageln und Kraftfutter reinstopfen (allein für die letzten 3 Punkte wird man ja gern schon fast als Tierquäler gesehen)… Oh und wartet, jetzt kommt’s: Manche nutzen sogar eine Kandare UND manchmal Sporen. Obendrein laufen sie nicht wie der letzte Lenz im Stall rum, achten also auf ordentliche und qualitative Outfits für sich und ihr Pferd. Und das alles, obwohl man keine Wettbewerbe in Form von Turnieren reitet, keine Halle hat und der Grasreitplatz nicht mal mit Flutlicht ausgestattet ist? Jaa, das gibt’s. Wollen viele sicher kaum glauben.

Warum ich mir das antue? Ganz einfach: Weil ich es kann. Meinem Pferd zu Liebe.

Tatsache ist, ich könnte mir Besseres vorstellen als mich selbst um alles zu kümmern (neeein, ich vergesse an dieser Stelle nicht, meine lieben Einsteller  ♥). Ich könnte auch Besseres mit meiner Zeit anfangen als mich um alles selbst zu kümmern. Aber ich habe ein Pferd, das vorher in Boxenhaltung stand. Ja, die ganz fiese Art davon. Box, Mini-Paddock und mit Glück mal etwas Wiese – zu zweit! Dazu ist das Pferd schwerfuttrig und rangnieder… Wo also könnte ich ihm derart ideale Bedingungen bieten wie bei mir zu Hause? Richtig! Nirgends. Deswegen tu ich mir das an. Billiger ist es sicher nicht. Spaß macht es öfter mal auch nicht so richtig. Aber dann guckt man sein Pferd an, sieht es friedlich und glücklich mit seinen Kumpels und weiß: Alles richtig gemacht!

So, wie nennen wir das also? Heutzutage muss ja für alles ein Begriff existieren. Ich vote für Offenstalltussi. Ja, damit kann ich leben. Darauf trink ich heut Abend ein Bierchen. Nach dem Training. Wenn der Große sein Kraftfutter mümmelt.

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

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