Unser Weg zur Akademischen Reitkunst

Untertitel: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein…

März 2016

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Es war einmal eine Reiterin, die sich recht unüberlegt ein ausrangiertes Turnierpferdchen als Freizeitpferd anschaffte… Sie übernahm die Ausrüstung der Vorbesitzerin und erfreute sich an ihrem Pferd. Schnell wurde ihr bewusst, dass die „Probleme“ und die durch eben diese „Probleme“ von der Vorbesitzerin genutzte Ausrüstung (und die einzig zur Verschleierung der Probleme diente) nicht am Pferd lagen… Aber wenn man halt 10 Jahre lang vorne zerrt und hinten treibt, dann lernt ein Pferd sich aufs Gebiss zu legen und den Schenkel geflissentlich zu ignorieren.

Nun gut. Ich erarbeitete mir also ein wieder schenkelfeines Pferd, das ging ganz gut. Was blieb, war die völlige Ignoranz von Zügelhilfen und das Scheitern eines jeden Versuches, den Herrn in Stellung/Biegung zu reiten.

Daher stellte ich irgendwann von der doppeltgebrochenen Wassertrense im englisch-kombinierten Zaum plus Tiedemannhilfszügel auf eine Dressurkandare um. Diese war nach unendlichen Testläufen mit allem, was der Markt sonst an üblichen Gebissen und gebisslosen Zäumen hergibt, das einzige, was meinen Herrn Pferd dazu brachte zumindest ohne Kraftakt und Gezeter in halbwegs vernünftiger Haltung zu laufen – und ohne Kraftakt meint hier am relativ langen Zügel, der ausschließlich rahmen-gebend und nie nach hinten wirkte.

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Im Winter 14 – noch mit Tiedemann-Kombi unterwegs

Nun ja. Die Rittigkeit ließ dennoch immer mehr nach, das Pferd wurde immer steifer, baute Muskulatur ab – vor allem am Trapezmuskel, wollte nicht mehr untertreten…

Ich ließ dann eine Physiotherapeutin und eine Sattlerin kommen – mit ernüchterndem Ergebnis. Der ach-so-toll-angepasste Sattel der Vorbesitzern passte aber mal sowas von überhaupt nicht (daher der atrophierte Trapezmuskel) und auch sonst war das Pferd eine einzige Blockade von Atlas bis Schweifrübe. Insofern war es auch kein Wunder, dass Sitzhilfen nicht funktionierten… Er konnte sie durch die Brücke, die der Sattel bildete, schlicht nicht spüren.

Gut. Wir kauften einen neuen Sattel, wir behoben die schlimmen Verspannungen, ich fing an Bodenarbeit zu machen und die Ernährung wurde auch umgestellt. Der Erfolg war – wir nennen es mal – mäßig. Die Verspannungen waren bei der kleinsten Fehlbewegung wieder da, die Hüfte wieder schief. Muskelaufbau negativ.

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Massage-Einheit (Pferd hier wie man sieht sehr dünn nach dem Winter 14/15)

Ich fing an mich in vieles einzulesen. Facebook-Foren. Bücher. DVDs gucken. Und erinnerte mich im Zuge dessen immer mehr an die Dinge, die mein Opa mir vor vielen Jahren über die Ausbildung von Jungpferden beigebracht hatte. Jungpferd. Haha. Mein Wallach war zu der Zeit knapp 18. Irgendwann kam ich zum Longenkurs nach Babette Teschen. Tolle Sache. Nur leider fand mein Pferd, dass Longieren keinen tieferen Sinn hat, als im Kreis zu rennen mit Kopf auf Giraffenhaltung und voller Last auf der inneren Schulter. Stellung/Biegung über Kappzaum? Da erntete ich nur Unmut und völlige Verständnislosigkeit von meinem Pferd… Recht bald war klar: Wir brauchen Hilfe!

Ich wollte eine Trainerin, die nach klassisch-akademischen Grundlagen arbeitet, da mir wichtig war, biomechanisch korrekt im Tempo des Pferdes zu arbeiten und ihm erst einmal die Grundlagen beizubringen. Ich fuhr zu Tara und besprach mich mit ihr. Eine Woche später begannen wir im Sommer letzten Jahres mit akademischer Bodenarbeit. Erst einmal wochenlanges Grundlagen-Training. Führen in Stellung und Biegung. Ewig. Und immer wieder. Bis er verstand. Dann nach und nach der Übergang in Richtung Longearbeit. Parallel dazu weiter Bodenarbeit mit Seitengängen, übertreten, Vorhandwechsel. Mittlerweile das Ganze auch geritten…

Kurz vor Weihnachten 2015 waren wir an dem Punkt, dass das Pferd nun gesund ist, keinerlei Verspannungen mehr zu finden sind und sich einfach nur wohl fühlt in seiner Haut. Ich war und bin so stolz darauf, was wir in wenigen Monaten bereits geschafft haben.

Derzeit sind wir dabei, das „nötige Handwerkszeug“ zu finden. Das heißt ein barocker Sattel und ein neuer Zaum werden bei uns einziehen. Wir testen fleißig, was Pferd und Reiter gut gefällt und liegt und dann wird eine Entscheidung getroffen.

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Ein Bückeburger Gebiss mit 4 Zügeln – gefällt Herrn Pferd ganz gut.

Mein Fazit: Wir müssen immer wieder uns, unsere Pferde, unser Tun und alles weitere in diesem Zusammenhang überdenken, zu ändern bereit sein und am Ende des Tages auch dazu lernen. Wir haben in 8 Monaten so unwahrscheinlich viel erreicht und gelernt. Ich bin stolz und zugleich gespannt, was das Jahr 2016 für uns bereit hält.

Wir werden weiter berichten – hoffentlich dann bald auch mit besseren Fotos und Gedanken zum Training an sich.

In diesem Sinne: Prost & allen ein schönes Wochenende,
Eure Offenstalltussi

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