Schleppjagdreiten – FAQ

Hier werde ich mal die häufigsten Fragen beantworten, die ich als Schleppjagdreiter so regelmäßig gestellt bekomm…

Ist das so richtig Jagd, mit Gewehren und wird da was getötet?

Nein und nein. Wir reiten mit Hunden, unsere Foxhounds gehen auf eine Duftspur („Schleppe“ oder „Scent“), die unmittelbar vorher von den Schleppenlegern gelegt wurde. Die Beute der Hund ist am Ende der Schleppe quasi das „Stellen“ der Schleppenleger und baden/trinken aus/in natürlichen Quellen bzw. zuvor bereit gestellten künstlichen Wasserstellen (Wannen). Am Ende der Jagd, was meist nach 5-7 Schleppen der Fall ist, erhalten die Hunde ihr Curee, das ist meistens Pansen und entsprechend gewöhnungsbedürftig im Geruch 😛

Wie kommt man zum Jagdreiten?

Nun ja, zum Beispiel indem man wie ich einen etwas geisteskranken Opa hat, der einen 12-jährig schon nach Herrenchiemsee schleppt und so quasi das Jagdfieber schon früh schürt. Alternativ über die Buschreiterei, viele unserer aktiven Reiter sind im normalen Leben Vielseitigkeitsreiter. Andere kennen eben Jagdreiter, schnuppern mal rein und bleiben drauf hängen oder man reitet einfach gern ambitioniert, trainiert gern auf ein Ziel hin ohne am Ende irgendwelche Wettbewerbe bestreiten zu wollen. Es gibt viele Gründe und Wege wie und warum man zum Jagdreiten kommt, da wieder raus gibt es meist nur einen: das persönliche an-den-Nagel-hängen des Reitsports als solchen.

Wo macht man das?

Hier in Bayern haben wir gleich zwei Meuten – die Frankenmeute mit Beagles (diese gehen allerdings auf Tritt- nicht auf Duftspuren) und meinen Verein, den Schleppjagdverein von Bayern e.V. mit seinen über 70 Foxhounds, der in Gundelsdorf in der Nähe von Augsburg ansässig ist. Jagden werden organisiert und ausgerichtet in ganz Bayern (es gibt auch noch weitere Meuten/Vereine im Rest von Deutschland). Besonders interessant werden sogenannte Zweimeutejagden, wenn die Bayern und die Franken sich gemeinsam die Ehre geben. Das ist ein ganz besonderes Spektaktel, wenn wie am 17.09. bei uns in Gundelsdorf, 25 fränkische Beagle und 25 bayerische Foxhounds zusammen laufen.

Was fasziniert dich so am Jagdreiten?

Um es mit den Worten unseres Vizepräsidenten zu sagen: „Der Dreiklang. Die Hunde. Die Pferde. Die Natur.“
Es ist ein ganz besonderes Gefühl hinter diesen einzigartigen Hunden zu reiten, man fliegt über Felder, Wiesen und durch Wälder in einem Tempo, das man alleine nie reiten würde, schert sich nicht darum, dass es auf einmal bergab geht und genießt einfach das atemberaubende Panorama unterschiedlichster Geländearten und Gegenden. Es ist „ambitioniertes Reiten“ in netter Gesellschaft. Ja, auch die Gesellschaft und Geselligkeit kommt beim Jagdreiten nicht zu kurz. Man reitet zusammen, man teilt eine Passion, man hilft sich. Das ist so eine ganz andere Atmosphäre als beispielsweise beim Turnier.

Kann man das lernen?

Ja und nein. Unser Verein veranstaltet regelmäßig im Sommer tolle Trainings. Dort kann man mit dem eigenen Pferd in fünf Tagen herausfinden, ob dieser Sport etwas für einen selbst und das Pferd ist, ob man fit genug ist für die Herbstsaison (und hier sollte wirklich nicht nur das Pferd fit sein) und ja, man lernt auch viele Tricks und Kniffe, die einem „im Feld“ sehr dienlich sein können. Nichtsdestoweniger passiert auf jeder Jagd immer irgendetwas völlig unvorhersehbares und man muss immer hochkonzentriert bei der Sache sein. Ich finde, wenn man die nötige Sattelfestigkeit beim Reiter und Trittsicherheit sowie Grundgeschwindigkeit beim Pferd mitbringt, kann man den Rest auf jeden Fall lernen.

Braucht man ein spezielles Pferd?

Nun, rassemäßig gibt es wohl nichts, was es auf Jagden nicht gibt. Ich hab vom Vollblut übers Warmblut übers Kaltblut bis zum Pony schon alles auf Jagden laufen und sie auch  bestehen sehen. Wichtig ist, dass das Pferd „gut geländegängig“ ist sowie ein gewisses Grundtempo laufen will und halten kann. Springen ist nicht zwingend erforderlich, es gibt eigentlich immer ein Nichtspringerfeld und die Sprünge können sicher umritten werden. Nervenstärke hilft enorm, das Pferd sollte kein Problem im engeren Feld mit nahe galoppierenden anderen Pferden haben und Angst vor Hunden wäre äußerst kontraproduktiv  😉

Braucht man spezielle Ausrüstung?

Zunächst einmal reicht ein üblicher englischer Sattel und Zaum. Spartenfremde Ausrüstung ist nicht gestattet, aber ob man nun mit Spring- oder Vielseitigskeits- oder gar Dressursattel reitet, juckt wirklich niemanden. Der Zaum sollte gut passend sein und man sollte sich vorher überlegen, ob man nicht ausnahmsweise ein etwas „schärferes“ Gebiss benutzt. Nein, natürlich soll man nicht mit den Zügeln bremsen und ich unterstütze dergleichen auch nicht, dennoch ist es so, dass viele Pferde – vor allem wenn sie noch unerfahren sind – gut heiß werden und da ist es beruhigend zu wissen, dass man doch etwas mehr in der Hand hat als sonst. Viele reiten mit Vorderzeug und/oder „Jagdriemen“. Ersteres ist natürlich nie schlecht für die Sicherheit, falls man doch mal unfreiwillig absteigt, dass die Zügel dort bleiben, wo sie hingehören. Abgesehen davon ist es nicht verkehrt, die Pferdebeine zu schützen, das heißt in der Regel sieht man farblich zur Schabracke (nicht Satteldecke) passende Gamaschen und vereinzelt auch Hufglocken an den Pferdebeinen. Darüberhinaus schadet es nicht, wenn man ein beschlagenes Pferd hat, die Eisen auf festen Halt zu überprüfen bevor man losreitet. Während der Jagd verlorene Eisen sind immer sehr ärgerlich und haben im worst case das Ende der Jagd für einen selbst zur Folge.

Reiter tragen als Mindestanforderung Turnierkleidung (weiße Hose, Jackett, Stiefel, Plastron). Erfahrenere oder besser langjährige Jagdreiter erkennt man meist an spezieller Kleidung bestehend aus Jagrock und Weste plus Plastron und farblich passenden Stiefeln.

Farbtechnisch reiten wir Bayern im Herbst recht knallig. Das heißt die Herren in rotem Rock und weißer Hose und die Damen in blauem Rock und maisgelber (angelehnt ans Gold) Hose. Dazu tragen die Herren schwarze Stiefel mit brauner Stulpe, die Damen blaue Stulpe. Zumeist sieht man allerdings ganz schwarze Stiefel, was auch „regelkonform“ ist. Auf dem Kopf trägt man traditionell eine Melone, heute ist natürlich dem Sicherheitsaspekt folgend ein Reithelm vollkommen in Ordnung und auch Sicherheitswesten oder Protektoren sind gestattet.

…to be continued…

Das hier verwendete Foto entstand mit freundlicher Unterstützung von Stephan Einödshofer!

 

 

 

 

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