Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… IV

Unbenannt

Teil 4 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Von Wasseradern, bösen Strahlen und Aluhüten

Sooo. Da war diese eine Dame. Hatte ihr Pferd bei uns. Das fing irgendwann an „unkrontolliert zu beißen und zu treten“, das müsse an den „negativen Strahlen“ liegen… Man fragt dann ganz interessiert: „Welche negativen Strahlen? Mir ist noch nichts aufgefallen…“
Jaaa, also da sei dieser neue Sendemast 2 Felder weiter, sie spüre das auch ganz genau, das macht die Lebewesen kirre.

Gut, wollen wir mal nicht so sein. Ich also bewaffnet mit Aluhütchen und Wünschelrute aufgebrochen zur Sendemastenjagd quer über die Felder. Wäre ja gelacht, wenn wir diesen negativen Strahlen nicht den Garaus machen könnten.

Auf dem Weg über die Felder kam mir dann so nach und nach der Gedanke, wie denn so ein Sendemast aussehen müsste. Der Beschreibung der gefährlichen Strahlung nach, hätte ich mit etwas mit Satellitenschüsseln oder doch zumindest meterhohen Antennen gerechnet. Mindestens!… Joa. Der „Sendemast“ entpuppte sich letzten Endes als Stock. Ein 2-Meter-langer Stock, den unser Nachbar mitten in sein Feld geschlagen hatte, um erkennen zu können, wo er welche Sorte Getreide angesäht hat.

Zwei Wochen später tat sich das Pferd dann wirklich was. Kratzer am Röhrbein.  Die Strahlung konnte ja nicht Schuld sein, da müssen Wasseradern fließen. Unterirdisch. Unsichtbar. Aber spürbar. Für die Pferde. Wie der Vollmond – wer kennt sie nicht, die Wer-Pferde. 😉
GsD zog die dann bald aus, dahin, wo weniger Strahlung und Wasseradern ihr Hüh belasten… Wo auch immer das sein mag – deutsches Outback oder so. Sonst hätt ich ihr noch erzählen müssen, dass die neu-verlegten Betonspalten als UFO-Landeplatz dienen sollen.

Darauf ein Bierchen. Prost. Schönes WE euch,
Eure Offenstalltussi

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… III

Teil 3 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Heute: Mietpreller und andere Opportunisten

Das sind mir die allerliebsten… Man investiert Zeit, man zeigt ihnen den Stall, man bespricht die Bedingungen, man schließt einen Vertrag ab. Man ist nett. Man lässt sie einige Tage umsonst einstellen, so als Startbonus.

Und dann wartet man. Darauf, dass das Geld kommt und darauf, dass die Dame sich mal wieder blicken lässt. Zum Stalldienst, wie vereinbart. Auf Nachfrage kommt dann „ok, ich zahl lieber den vereinbarten Betrag x mehr, momentan ist so viel los, ich schaff die 20 Minuten Stalldienst nicht…“

Ok, man bespricht und arrangiert sich mit dem Rest der Stallgemeinschaft. Man übernimmt die Stalldienste. Man wartet weiter auf sein Geld. Das ist nun schon 10 Tage überfällig. Auf Nachfrage heißt es, es sei überwiesen. Ok. 3 Tage später immer noch nichts da. Man fragt wieder nach. Ach? Es gibt einen Engpass bei der Gehaltszahlung? Mhm. Ja, durchaus. Das ist ja heutzutage in großen Unternehmen Gang und Gäbe, dass die einfach das Gehalt nicht überweisen…

Gut. Irgendwann wird es einem zu bunt. Das fängt ja schon gut an. Die ersten 3 Wochen schon nur Ärger. Man wird etwas nachdrücklicher in der Forderung. Daraufhin wird einem nahegelegt, man möge das Pferd (Stute, 24, Zustand zumindest fragwürdig) doch behalten. Man würde das geschenkt bekommen. Das sei ja großzügig inkl. Zubehör bestehend aus einem uralten Sattel und 5 nicht-passenden Trensen. Also Pferd und Zubehör als Aufrechnung gegen die fehlende Stallmiete… Ähh. Nein.

Wenn ich ein zweites Pferd wollte, dann doch eins, was noch n paar Jahr als Reitpferd vor sich hat. Also abgelehnt. Da wird man dann noch beschimpft. Man sei undankbar und würde lügen und überhaupt. In so einem Privatstall, da könne man ja wohl mal geduldig sein und auf sein Geld warten. Nur deswegen sei man ja vom großen Stall dahin gezogen (ein Schelm, wer hier einen Vorsatz klingeln hört)… Ähh. Nein. Gerade im „Privatstall“ kann man eben nicht warten. Entschuldigung? Warum sollte ich das Pferd eines Einstellers mitfinanzieren?

Ganz zu schweigen davon, dass ich die Dame ja zwischendurch zum Stall zitieren musste. Stuti hatte Augenentzündung. Hab ihr noch aufgeschrieben, was für Tropfen zu besorgen sind… Die kam dann auch – einmal in den 10 Wochen. Brachte Tropfen, nur leider die falschen. Die richtigen hab ich dann gekauft. Von meinem Geld. Hab ich Stuti auch 2mal täglich ins Auge gepult. Man ist da ja nicht so. Will das Pferd ja nicht leiden sehen.

Nun gut. Hab dann die Kündigung geschrieben. War dann das Arschloch. Wie ich mir das vorstelle? Mitten im Winter einen neuen Stall finden, ist ja quasi unmöglich (klar, noch günstiger als bei uns als Teil-SV wird’s halt auch nicht…). Wollte dann „ihre Sachen“ holen die Dame. Hab ich verweigert. Sachen abholen ja. Aber nur MIT Pferd. Sachen alleine rück‘ ich nicht raus. War ich dann wieder das Arschloch. Will mich ja an meinen Einstellern bereichern…

Ich sag‘s euch. Als dieses Pferd dann nach 10 Wochen insgesamt und Begleichung der Stallmiete für 8 Wochen endlich ausgezogen war… Da haben alle erstmal aufgeatmet. 😉

In diesem Sinne: Auf die guten Seelen. Auf die Einsteller, die unermüdlich mithelfen, die mehr tun als sie müssten, die lieb sind, die pünktlich bezahlen und die einem einfach zeigen, dass auch die Reiterwelt nicht nur aus egoistischen Vollidioten besteht, wie man manchmal schon fast glauben will. Darauf ein Bierchen <3

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… II

Teil 2 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Heute: Die Meckertanten und die, die alles für selbstverständlich nehmen

Wer kennt sie nicht. Die lieben Pferdebesitzer, die an allem was rumzunörgeln haben… Zu viel Weidegang, zu wenig Weidegang. Zu wenig Platz für ihre Sachen (ungefähr 2 LKWs voll), Stallmiete zu teuer, Heu zu wenig, Einstreu zu wenig, Wasser zu kalt, Licht zu dunkel… Ich könnte die Liste eeewig weiter führen und ich glaube, ihr kennt auch genug Punkte, die man noch hinzufügen könnte…

Hier mal eine kurze Geschichte:

Wir hatten da mal eine Einstellerin. Hat sich ständig beschwert… Mein Papa würde nicht genau genug misten, es sei zu wenig eingestreut, die Weide zu fett, der Schrank für ihre Sachen zu klein… Nach einigem Hin und Her und als meinem mehr als gutmütigen Vater dann endlich mal die Hutschnur platzte, haben wir ihr angeboten, sie könne den Anteil, den wir für Heu und Stroh berechnen an Stallmiete einsparen, sich selbst Heu und Stroh besorgen, das kostenlos einlagern und dafür auch selbst misten… Gesagt, getan.

Soll ich euch was sagen? Es ist wirklich zum schießen. Auf einmal hatten die Pferde nämlich deutlich weniger Einstreu drin, bekamen ihr Heu portioniert und gemistet wurde einmal am Tag… Jaaa, gelle. Da meckert es sich immer leicht über die Stallbetreiber, aber wenn man dann mal sieht, was wirklich an Kosten und Zeitaufwand dahinter steckt… Jaaa, da werden auch viele ganz schnell ganz leise!

Ach und zum Thema alles für selbstverständlich nehmen…

Hatten wir doch tatsächlich nen Einsteller. Wollte ausziehen. Alles geplant. Am 1. vormittags ziehen sie aus, nachmittags kommt das neue Pferd an…. Jaaa. Weit gefehlt. Am 1. Vormittags erfährt man dann als Stallbetreiber, dass der Auszug leider nicht wie geplant stattfinden kann. Hänger sei nicht verfügbar, man müsse noch einen Tag länger bleiben. Ohne Worte. Ich also den neuen Einsteller informiert, irgendwie alles geregelt, dass der Umzug am nächsten Tag über die Bühne geht… Dann hab ich der Dame 15€ berechnet für den Zusatztag (ich meine Misten, Füttern, Heu, Hafer, Stroh… ist ja alles nicht umsonst; ganz zu schweigen von dem Ärger!). Les ich nicht ernsthaft 2 Tage später auf Facebook, wie froh die Dame sei, von uns weg zu sein, da es ja eine uferlose Frechheit war, dafür noch extra Geld zu verlangen… Das würde ihr nur erneut zeigen, dass es richtig war, umzuziehen… Konnte mir grade noch verkneifen, einen Kommentar drunter zu schreiben J

Hach ja. Manchmal ist es schon wirklich interessant. Und zum Schmunzeln. Anders reagiere ich auf derlei Dinge nicht mehr. Ist mir meine Zeit zu schade für 😉 Da trink ich lieber n Bierchen und guck meinen Pferden zu.

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… I

Teil 1 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Heute: Die Unbelehrbaren

Wer kennt sie nicht. Diese Stallmitglieder, die einfach völlig beratungsresistent sind… Da werden die Reheponys lieber 20 Stunden am Tag eingesperrt, da sie nicht mehr als 4 Stunden auf dieses „böööööse“ Gras dürfen, aber schön mit Müsli, Karotten und Äpfeln vollgestopft. Denn Rehe kommt nur von dem bööööösen Gras und gar nie nicht von zu wenig Bewegung und zu viel Zucker… Da kann man denen hundert Mal von neuen Erkenntnissen, Frunktangehalt und Fressbremsen erzählen.

Auch der Hinweis, dass man mit Heunetzen dann vielleicht die Aufnahme des portionierten Heus in der Box (ihr wisst schon, 20 Stunden drin, weil das bööööse Gras) verlangsamen, damit die Fresspausen verkürzen und die Verdauung unterstützen könnte, geht einfach im Pupskonzert des verdauungsgestörten Ponys unter.

Und wenn man dann noch wagt anzusprechen, dass vielleicht ein wenig mehr Bewegung in Form einer Reitbeteiligung nicht schaden würde… Hui, da musste schnell sein, dass der böse Blick dich nicht direkt in der Stallgasse noch tötet.

So traurig das ist: Manchmal hilft nur hinnehmen und weggucken. Bei so viel Unwissen gepaart mit Beratungsresistenz kann man als normal tickender Mensch einfach nur den Kopf schütteln und gehen, sonst macht man sich selbst kaputt. Da ist jedes weitere Wort verschwendete Energie und jeder ausgedruckte Fachartikel ein umsonst gestorbener Baum… Bleibt nur zu hoffen, dass sie es irgendwann doch noch selbst merken und was daran ändern.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Aufklärung, wo’s fruchtet und ansonsten Augen zu und durch…

…to be continued…

Hufabszess – was nun?

März 2016

Vor einigen Wochen waren wir beim Trainingstag im Stall unserer Trainerin und konnten wirklich schöne Fortschritte erzielen. Unsere ersten korrekten Trab-Traversalen. Mann, war ich stolz auf mein Pferd…

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Wenige Tage später fuhren wir wieder zum Training. Auf dem Weg von der Koppel zum Putzplatz und auch beim Verladen war noch alles gut.

Wir kommen also nach 45 Minuten Fahrt bei meiner Trainerin an, wollen ausladen und was ist? Ooh nein. Pferd hinten links stocklahm, kommt kaum aus dem Hänger… Ich hab ihn dann vorgeführt, abgetastet, gefühlt… Es sah alles nach einem Problem mit dem Fesselringband aus. Warm. Pulsation vorhanden. Also haben wir das Bein mit Wasser gekühlt, Heilerde drauf und sind wieder nach Hause gefahren. Ab in die Box, noch eine ordentliche Menge Traumeel Salbe drauf und hoffen, dass es am nächsten Tag besser geht. Vorsorglich noch eine SMS an den Tierarzt geschickt, dass er evtl. am nächsten Tag vorbei kommen muss.

Am nächsten Tag wieder geführt. Gangbild schlimmer als am vorigen Tag, selbst im Stehen extreme Schonhaltung.

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Also kam der TA. Vorführen, abtasten. Dann die Erlösung. Ein „ordinäres Hufgeschwür“. Puh. Zumindest nichts an Sehnen und Gelenken.

Der TA eröffnete den Abszess, Jules war richtig! sauer. Das tat scheinbar so weh, dass er seine guten Manieren vergaß und dem TA erstmal einen ganz ordentlichen Tritt verpasste. Hui, dann war der TA sauer… Naja gut. Jules bekam dann einen Angussverband, Schmerzmittel intravenös und ich bekam noch weitere Schmerzmittel und Jod zum weiter Angießen des Verbandes übers Wochenende. Am Montag wollte der TA wieder kommen zum Verbandwechsel.

Zum Glück war das Wetter soweit gut, dass ich Jules zumindest mit den anderen Pferden weiter im Offenstall lassen konnte.

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Mein THP kam noch vorbei und empfahl mir zusätzlich Hepar Sulfuris C30 als Globuli zu geben – was ich natürlich sofort tat.

Am Montag kam dann der TA wieder, wechselte den Verband und trug mir auf, den Verband nun sauber und trocken zu halten und nach 12 Tagen könnte ich Jules hinten beschlagen lassen, dann wäre auch reiten wieder möglich.

12 Tage später kam also der Hufschmied, drückte den Huf ab und bekam postwendend auch beinah eine geschallert vom Pferd… Eindeutiger Befund: Das ist noch nicht vorbei. Der Schmied öffnete also den Abszess noch minimal weiter und empfahl mir noch einmal 5 Tage Angussverbände. Auf Anraten meines THP nahm ich nun kollodiales Silber zum Angießen, das hab ich im Übrigen immer zu Hause. Bestes Desinfektionsmittel. Tötet alles von Bakterien über Viren bis hin zu Pilzen. Und ist dabei völlig geruchsneutral und brennt nicht… Wer also wehleidige Pferde hat, die sich nicht gern behandeln lassen, sollte sich das auf jeden Fall besorgen. 🙂

So. 5 Tage später kam der Schmied wieder. Nun war alles gut, Jules konnte entsprechend hinten auch beschlagen werden und seither läuft er sogar gefühlt besser als vorher.

Ich kann wirklich nur empfehlen: Hepar Sulfuris (das hilft sowohl beim Reifen als auch beim Abheilen von Abszessen), kollodiales Silber und nen ordentlichen Schrank voll Verbandsmaterial.

Aktuell kämpfen wir noch mit dem Gewichtsverlust. Zwischendrin hatten wir nämlich zwei Tage Regen und damit Boxenknast für Herrn Pferd. Da frisst er immer nur das allernötigste und baut in 2 Tagen schon enorm ab. Aber bald geht es ja auf die fetten Koppeln und dann sollte auch das vorbei sein.

Hattet ihr schon mal mit einem Abszess zu tun? Wie habt ihr behandelt? Gibt es noch Insider Tipps?

Ich freu mich auf euren Input!

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

Sprachlos

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März 2016

Heute mal eine Geschichte, die eine Freundin aus Einsteller-Sicht erleben musste… Man weiß irgendwann nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll…

Meine Freundin kaufte sich ein Pferd. 5 Jahre alt, gesund. Stellte es in den Stall einer „Freundin“, wo es zusammen mit deren zwei Pferdchen ein beschauliches Offenstall-Leben führen sollte. Sollte!! Ihr ahnt schon – es kam alles anders als geplant…

Im Sommer fing alles so schön an: 2ha Wiese für 3 Pferdchen, meine Freundin investierte noch in einen kleinen Reitplatz und alle waren glücklich…

Dann kam der Herbst. Und damit viele Veränderungen, mit denen meine Freundin nicht einverstanden war und die so auch nicht besprochen waren.

Zunächst mal sollten die Pferde auf einmal nachts ständig in die Boxen, weil die SB nicht bereit war, draußen Heu zu füttern. Ihr wisst wie 2ha Wiese im Winter aussehen. Da steht nicht mehr viel. Also hatten die Pferde eigentlich den ganzen Tag nur ein bisschen was zu knabbern auf der Wiese, keine Unterstellmöglichkeiten und entsprechendes Futter gab es nur Nachts in den Boxen. Ich regte mich damals schon auf, da ich der Meinung bin, Heu sollte immer (auch im Sommer) zur Verfügung stehen, genau wie ein Unterstand. Das brauchen sie im Winter einfach als Schutz und zum Warmhalten. Naja gut. War zwar nicht toll, aber man konnte noch damit leben.

Die Boxenzeiten wurden nach und nach immer länger, da ein Pferd der SB einen nicht-auskurierten Sehnenschaden hat und „die Ruhe braucht“… Naja, lyncht mich bitte nicht, aber ehrlich gesagt gehört das Pferd entweder mit Schmerzmitteln versorgt – oder erlöst. Es liegt bist zu 10 Stunden täglich in seiner Box, weil es vor Schmerzen nicht mehr stehen kann. Aber wenn der Besitzer nicht bereit ist, es nach einem Unfall so zu umsorgen, dass es wieder ein schmerzfreies Leben führen kann und selbst der TA schon sagt, er könne nichts mehr tun… „Vollpumpen“ allerdings ist für die SB keine Option und so fristet das Pferd nun ein Leben zwischen Weide“gang“ und stundenlangem Liegen in der Box…

Nunja. Im Laufe des Herbstes fing das Pferd meiner Freundin an zu husten. Ich empfahl ihr – nichtsahnend – erst einmal einige Tage Hausmittelchen und wenn das Pferd trotzdem weiter hustet, mit dem TA nicht zu lange zu warten. Einige Tage später war der TA ohnehin vor Ort und hörte das Pferd ab. Es war deutlich Schleim auf der Lunge, aber nicht sonderlich schlimm. Der TA hinterfragte die Heu/Stroh-Qualität und ließ ein pflanzliches Medikament da. Auf die Frage nach der Heu- und Strohqualität hin musste meine Freundin dann doch zugeben, dass diese nicht gut ist. Und nicht gut ist leider weit untertrieben. Die Strohballen hatten schwarze Stellen! Als ich das erfuhr, riet ich ihr sofort das Gespräch mit der SB zu suchen. Die Ballen müssten weg und neue beschafft werden. Am besten vorher noch einige Tage das Heu/Stroh-Lager lüften. Ihr werdet es nicht glauben, was zurück kam. Das seien ja nun eh schon die besseren Ballen. Die anderen Ballen waren ja noch schlechter und sie entsorge ja immer das schwarze und der Rest sei ja noch gut, außerdem könne man ja von Marmelade auch den Rest noch essen, nachdem man den Schimmel entfernt hätte, das breite sich nicht aus… Boah, meine Freundin und ich waren derart stinkwütend…

Meine Freundin besorgte sofort eigenes Heu und Stroh für ihr Pferd – gut, ihr Pferd musste demnach nicht direkt im Schimmel stehen oder diesen fressen, aber wir wissen ja alle, wie sich die Sporen in der Luft verteilen, wenn das Pferd in der Nachbarbox im Schimmel steht…

Diese Diskussion ging einige Tage. Irgendwann reichte es mir. Meine Freundin kündigte den Besuch einer „angehenden Futterberaterin“ (meine Wenigkeit) im Stall an und wies darauf hin, wir würden dann auch das Schimmelstroh entsorgen und sie würde auf eigene Kosten neues besorgen. Auch dies löste wieder eine Diskussion aus. Das Stroh kommt nicht weg. Ende der Diskussion. Punkt.

Am nächsten Tag besichtigte ich mit meiner Freundin einen anderen OS in der Nähe. Deutlich teurer, deutlich weiter weg, aber zumindest stimmt die Qualität von Heu und Stroh dort. Danach fuhren wir in den aktuellen Stall, um wie besprochen, das Stroh zu entsorgen und mit der SB zu sprechen bzgl. Kündigung etc. Was soll ich sagen, jetzt kommt echt das Highlight!! Als wir in dem Stall ankamen, war dort kein Staubkorn zu finden, alles bis aufs peinlichste neu gemistet und eingestreut und (!) das Heu/Stroh-Lager war abgesperrt!! Kann man das fassen? Da sperrt jemand schimmliges Stroh weg! Ich wusste wirklich nicht mehr, was ich dazu noch sagen sollte. Unfassbar! Aber davon mal abgesehen, ich betrat die Box des Pferdes der SB und wäre beinah rückwärts wieder rausgefallen. Beim Betreten hatte man schon modrig staubigen Geruch in der Nase, einmal ein Büschelchen angefasst und man wusste definitiv, woher der Geruch kam… Dann das Heu: Einmal Nase reingehalten und 15 Mal Niesen als Antwort… Die Entscheidung war gefallen. Das Pferd meiner Freundin musste asap hier weg.

Naja.  Drei Tage später zog Stuti da aus. Nach einer Woche im neuen Stall war sie hustenfrei. Beim Abholen der restlichen Sachen meiner Freundin fanden wir ein neues Pferd in ihrer alten Box. Hustend.

Bei manchen Menschen ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Traurig. Aber isso.

Eure Offenstalltussi

PS: Eine entsprechende Meldung ist geplant.

Unser Weg zur Akademischen Reitkunst

Untertitel: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein…

März 2016

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Es war einmal eine Reiterin, die sich recht unüberlegt ein ausrangiertes Turnierpferdchen als Freizeitpferd anschaffte… Sie übernahm die Ausrüstung der Vorbesitzerin und erfreute sich an ihrem Pferd. Schnell wurde ihr bewusst, dass die „Probleme“ und die durch eben diese „Probleme“ von der Vorbesitzerin genutzte Ausrüstung (und die einzig zur Verschleierung der Probleme diente) nicht am Pferd lagen… Aber wenn man halt 10 Jahre lang vorne zerrt und hinten treibt, dann lernt ein Pferd sich aufs Gebiss zu legen und den Schenkel geflissentlich zu ignorieren.

Nun gut. Ich erarbeitete mir also ein wieder schenkelfeines Pferd, das ging ganz gut. Was blieb, war die völlige Ignoranz von Zügelhilfen und das Scheitern eines jeden Versuches, den Herrn in Stellung/Biegung zu reiten.

Daher stellte ich irgendwann von der doppeltgebrochenen Wassertrense im englisch-kombinierten Zaum plus Tiedemannhilfszügel auf eine Dressurkandare um. Diese war nach unendlichen Testläufen mit allem, was der Markt sonst an üblichen Gebissen und gebisslosen Zäumen hergibt, das einzige, was meinen Herrn Pferd dazu brachte zumindest ohne Kraftakt und Gezeter in halbwegs vernünftiger Haltung zu laufen – und ohne Kraftakt meint hier am relativ langen Zügel, der ausschließlich rahmen-gebend und nie nach hinten wirkte.

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Im Winter 14 – noch mit Tiedemann-Kombi unterwegs

Nun ja. Die Rittigkeit ließ dennoch immer mehr nach, das Pferd wurde immer steifer, baute Muskulatur ab – vor allem am Trapezmuskel, wollte nicht mehr untertreten…

Ich ließ dann eine Physiotherapeutin und eine Sattlerin kommen – mit ernüchterndem Ergebnis. Der ach-so-toll-angepasste Sattel der Vorbesitzern passte aber mal sowas von überhaupt nicht (daher der atrophierte Trapezmuskel) und auch sonst war das Pferd eine einzige Blockade von Atlas bis Schweifrübe. Insofern war es auch kein Wunder, dass Sitzhilfen nicht funktionierten… Er konnte sie durch die Brücke, die der Sattel bildete, schlicht nicht spüren.

Gut. Wir kauften einen neuen Sattel, wir behoben die schlimmen Verspannungen, ich fing an Bodenarbeit zu machen und die Ernährung wurde auch umgestellt. Der Erfolg war – wir nennen es mal – mäßig. Die Verspannungen waren bei der kleinsten Fehlbewegung wieder da, die Hüfte wieder schief. Muskelaufbau negativ.

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Massage-Einheit (Pferd hier wie man sieht sehr dünn nach dem Winter 14/15)

Ich fing an mich in vieles einzulesen. Facebook-Foren. Bücher. DVDs gucken. Und erinnerte mich im Zuge dessen immer mehr an die Dinge, die mein Opa mir vor vielen Jahren über die Ausbildung von Jungpferden beigebracht hatte. Jungpferd. Haha. Mein Wallach war zu der Zeit knapp 18. Irgendwann kam ich zum Longenkurs nach Babette Teschen. Tolle Sache. Nur leider fand mein Pferd, dass Longieren keinen tieferen Sinn hat, als im Kreis zu rennen mit Kopf auf Giraffenhaltung und voller Last auf der inneren Schulter. Stellung/Biegung über Kappzaum? Da erntete ich nur Unmut und völlige Verständnislosigkeit von meinem Pferd… Recht bald war klar: Wir brauchen Hilfe!

Ich wollte eine Trainerin, die nach klassisch-akademischen Grundlagen arbeitet, da mir wichtig war, biomechanisch korrekt im Tempo des Pferdes zu arbeiten und ihm erst einmal die Grundlagen beizubringen. Ich fuhr zu Tara und besprach mich mit ihr. Eine Woche später begannen wir im Sommer letzten Jahres mit akademischer Bodenarbeit. Erst einmal wochenlanges Grundlagen-Training. Führen in Stellung und Biegung. Ewig. Und immer wieder. Bis er verstand. Dann nach und nach der Übergang in Richtung Longearbeit. Parallel dazu weiter Bodenarbeit mit Seitengängen, übertreten, Vorhandwechsel. Mittlerweile das Ganze auch geritten…

Kurz vor Weihnachten 2015 waren wir an dem Punkt, dass das Pferd nun gesund ist, keinerlei Verspannungen mehr zu finden sind und sich einfach nur wohl fühlt in seiner Haut. Ich war und bin so stolz darauf, was wir in wenigen Monaten bereits geschafft haben.

Derzeit sind wir dabei, das „nötige Handwerkszeug“ zu finden. Das heißt ein barocker Sattel und ein neuer Zaum werden bei uns einziehen. Wir testen fleißig, was Pferd und Reiter gut gefällt und liegt und dann wird eine Entscheidung getroffen.

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Ein Bückeburger Gebiss mit 4 Zügeln – gefällt Herrn Pferd ganz gut.

Mein Fazit: Wir müssen immer wieder uns, unsere Pferde, unser Tun und alles weitere in diesem Zusammenhang überdenken, zu ändern bereit sein und am Ende des Tages auch dazu lernen. Wir haben in 8 Monaten so unwahrscheinlich viel erreicht und gelernt. Ich bin stolz und zugleich gespannt, was das Jahr 2016 für uns bereit hält.

Wir werden weiter berichten – hoffentlich dann bald auch mit besseren Fotos und Gedanken zum Training an sich.

In diesem Sinne: Prost & allen ein schönes Wochenende,
Eure Offenstalltussi

HKM Reitstiefel Country Arctic im Test

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Als wie gesagt hartgesottener Outdoor-Reiter brauch man ja nun nicht nur warme Klamotten und Handschuhe, sondern auch warme Stiefel.

Für die Stallarbeit, die ja grade im Winter auch durchaus mal matschig werden kann, habe ich wasserdichte, warme Boots mit gutem Profil und bin damit sehr zufrieden. Allerdings sind die zum feinen Reiten denkbar ungeeignet…

Letztes Jahr hatte ich recht günstig Cavallo Winter-Lederreitstiefel erstanden, die jedoch meiner Fußform (hoher Rist) nicht sonderlich gut passten. Diese habe ich dann weiter verkauft und mir erstmal mit den klassischen, eher klobigen Kunsstoff-Winterreitstiefeln beholfen. Da mich diese nun nach einer Saison von der Wärmehaltung sehr im Stich ließen, suchte ich nach Alternativen.

Ich bin ehrlich: Ich bin weder Markenfetischist noch gewillt für Winterreitstiefel 200+ Euro auszugeben. Wir sind Offenstaller und Outdoor-Reiter mit Leib und Seele… Wär schade um die teuren Schuhe.

Nach einiger Recherche habe ich dann diese hier entdeckt:

http://www.hkm-sportsequipment.eu/artikel.php?marke=&kat=001&ukat=036&uukat=022&content=artikel&id=3993

Preis und versprochene Leistung klangen gut, die angegebene Schaftweite und-höhe bei Größe 38 auch und anhand der Fotos wirkten sie am Rist etwas großzügiger geschnitten als die Cavallo Stiefel.

Gestern konnte ich dann also die Stiefel testen. Testbedingungen: nasskalte 2 Grad mit dauerndem Nieselregen (gefühlt eher -5). Ich zog die Stiefel über meine Cavallo Reitsocken (Cavallo Funktionsstrümpfe Stars) und ritt los. Bei mäßiger Bewegung – ich musste aufgrund der Witterung viel Schritt reiten – hatte ich auch nach 1,5 Stunden im Gelände noch trockene Füße. Sie kochten jetzt nicht, aber das Teddyfell ließ sie auch nicht auskühlen. Ich denke, mit etwas mehr Bewegung, kann man die Füße durchaus auch als warm bezeichnen.

Fazit: Diese Stiefel sind für den Freizeitreiter-Outdoor-Gebrauch durchaus empfehlenswert.

Update:

So, hatte mir nun extra 2 Tage frei genommen, da nach einem schneereichen Wochenende endlich schönes, kaltes Winter-Sonnen-Wetter angesagt war. Bin also Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag schön bei Temperaturen von -2 bis -8 Grad unterwegs gewesen. Was soll ich sagen: Mit Seidenstrumpfhose plus Wollsocken in den Stiefeln kann ich mich wirklich nicht beschweren. Klar, die Füße kochen nicht, das wäre bei Ausritten von 1-3 Stunden wohl auch etwas viel verlangt. Aber sie waren durchaus so temperiert, dass man keine gefühllosen Eisklötze mit sich herumträgt.

Von mir: Ganz klare Kaufempfehlung!!

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

Back on Track Winterreithandschuhe im Test

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Ich bin ja hartgesottener Outdoor-Reiter. Kein Wetter ist zu schlecht, man muss sich nur richtig anziehen… Ne Frostbeule bin ich trotzdem. Da behelfe ich mir im Winter mit Zwiebellook und verschiedenen Materialien, die extra dafür geeignet sind. Mein Standard Outfit besteht aus einer Softshell-Reithose, Merino-Wollsocken, langärmligem Merino-Woll-Unterhemd und Teddyfleecejacke. Zusätzlich kommen dann noch diverse Schichten drunter, drüber und dazwischen. Je nachdem, wie die Wetterlage grade tatsächlich ist.

Das Problem waren bisher immer die Hände. Ich bin eigentlich großer Fan von Röckl, wenn es um Reithandschuhe geht, allerdings sind sowohl die Winter-Grip als auch die Polartec bei mir bisher zwar nicht restlos durchgefallen, aber richtig glücklich war ich damit auch nicht.
Die Wintergrip sind zwar recht wind- und wasserabweisend, haben dafür aber kaum Wärmehaltung. Die Polartec halten warm, sind dafür aber bei Wind und Nässe nicht zu gebrauchen und mit 4 Zügeln in den Händen auch eher unpraktisch…

Nach langer Recherche hab ich mich dann entschieden, mal etwas tiefer in die Tasche zu greifen und das vielseits hochgelobte Back on Track Material an mir selbst zu testen. Das Pferd besitzt bereits den Rückenwärmer und damit sind wir sehr zufrieden.

Ich habe also etwas hin und her gesucht und die Handschuhe schließlich für 59,90€ inkl. Versand bei dem Onlinehändler mit dem großen E bestellt. Aufgrund einer Empfehlung habe ich sie eine Nr. größer bestellt als meine Röckl bisher waren (8,5 statt 7,5). Ich muss sagen, eine halbe Nr. größer hätte wohl auch gereicht.

So, nun zum Test. Gestrige Wetterbedingungen: Um null Grad, etwas Wind, etwas Feuchtigkeit (Luftfeuchtigkeit und auch ein paar Tröpfchen von oben). Ich habe zum putzen und vorbereiten des Pferdes meine dicken Wollhandschuhe anbehalten, da ich gelesen habe, die Finger sollten warm sein vor der Nutzung der BoT Handschuhe, da diese Keramikfasern nur die vorhandene Wärme aufnehmen und halten/zurückgeben. Hab also dann mit warmen Händen die BoT Handschuhe angezogen und bin los geritten.

Zunächst hatte ich das Gefühl, ich hätte einen ordentlichen Fehlkauf getätigt. Der Grip an den Zügeln ist sehr gut, Wind konnte ich auch keinen durch das Material merken, aber nach kurzer Zeit kühlten meine Hände aus.

Ich dachte mir, das kann aber jetzt nicht angehen. Hab dann gezielt die Hände gewärmt durch aneinander reiben und bewegen. Und siehe da, es funktioniert. 🙂 Meine Finger wurden wieder warm, das Kribbeln ging weg und sie blieben warm bis ich nach einer guten Stunde wieder daheim ankam. Alles in allem also ein gelungener Test.

Update: 2. Testlauf.

Witterungsbedingung nasskalte 2 Grad, gefühlt eher -5. Selbst nach 1,5 Stunden hauptsächlich Schritt im Gelände und dauerndem Nieseln von oben, waren meine Hände trocken und warm. 🙂

Weiteres Update:

Hatte mir nun extra zwei Tage freigenommen, um bei herrlichem Winterwetter, weitere Testläufe zu starten. Wir hatten von -2 bis -8 Grad alles dabei. Am Wochenende recht viel Schnee, Montag und Dienstag sonnig, aber klirrend kalt. Bin weiterhin mit den Handschuhen sehr zufrieden. Mit einer Einschränkung: Sie sind wirklich zu groß. Dadurch bilden sich leider Kältebrücken, die zwar schnell zu beheben sind durch gezieltes bewegen und wodurch dann die Finger auch wieder einige Zeit warm bleiben, aber top Ergebnisse erzielt man vermutlich nur mit der genau passenden Größe. Ich werde mal zusehen, ob ich da noch etwas nachhelfen kann. 🙂

Finales Update/Fazit:

Konnte über Kulanz des Ebay-Anbieters die Handschuhe umtauschen in eine halbe Nummer kleiner. DAS macht den entscheidenden Unterschied. Es können sich so nun keine Kältebrücken mehr bilden, die Hände sind warm und bleiben es auch. 🙂

Ich werde die Handschuhe den restlichen Winter nun weiter in Gebrauch testen und dann noch einmal ein Urteil zur Haltbarkeit abgeben. Bis dahin kann ich die Handschuhe so nun erst einmal uneingeschränkt empfehlen.

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi