Luzerne (auch Alfalfa) – ein Wundermittel?

Da ich in letzter Zeit vermehrt auf Fragen zu Luzerne, ihren Eigenschaften, Vor- und Nachteilen sowie Verwendungszweck stoße, möchte ich hier einmal einen Überblick geben, was „die Königin der Futterpflanzen“ so alles kann, wann es Sinn macht, welchen Teil der Pflanze zu verfüttern und welche Formen es auf dem Pferdefuttermarkt so gibt.

Was genau ist Luzerne eigentlich?

Luzerne (wissenschaftlicher Name Medicago sativa), auch Alfalfa, Schneckenklee oder Ewiger Klee genannt, gehört – wie der Name schon sagt – zu den Kleearten und ist seit Jahrhunderten als Futterpflanze kultiviert. Demnach ist Luzerne im Grunde nichts anderes als zunächst mal artenarmes (weil nur aus einer Pflanze bestehend), sehr reichhaltiges Heu.

Was macht Luzerne so wertvoll in der Pferdefütterung?

Luzerne enthält sehr viel Eiweiß und damit essentielle Aminosäuren, die der Pferdekörper braucht, um Muskulatur aufzubauen und zu erhalten. Darüber hinaus haben Aminosäuren ganz grundlegende Aufgaben im Zellstoffwechsel. Die genauen Erklärungen führen hier jetzt zu weit, wer interessiert ist, kann dies in entsprechender Fachliteratur (z.B. Ingolf Bender – Praxishandbuch Pferdefütterung) nachlesen. Neben der Aminosäuren enthält Luzerne auch sehr viel Calcium, wodurch es auch für magenempfindliche Pferde sehr gut geeignet ist. Dies beruht auf dem neutralisierenden Effekt des Calciumgehaltes im Bezug auf die Magensäure (Nadeau et al. 2000).

Gerade leichtfuttrigen Pferde, die sonst „eher kurz gehalten“ werden in der Fütterung (sprich mageres, oft rationiertes Heu) fehlen dann die Aminosäuren, was sich zum einen an der Muskulatur und im weiteren dann an Haar- und Hornqualität bemerkbar macht. Hier ist Luzerne als Ergänzung ideal, da sie vergleichsweise stärke- und zuckerarm ist.

Hier die Vor- und Nachteile zusammengefasst:

+ Aufwertung Eiweißgehaltes der Tagesration (bei getreidearmer Fütterung)
+ Aufwertung von nährstoffarmem, spätgeerntetem Heu
+ Als Krippenfutter, wenn man kein Getreide füttern kann oder will
+ in Kombination mit Getreide zur Magenschonung und Rationsaufwertung
+ Aufwertung der Ration mit Calcium während der Laktation und des Wachstums.
+ Aufwertung der Eiweiß- und Energieversorgung bei Pferden mit empfindlichem  Zuckerstoffwechsel (niedriger glykämischer Index).

– hoher Gehalt an Eisen und Calcium hat eine antagonistische Wirkung (Wechselwirkung) auf die Verwertung von Magnesium, Phosphor, Zink, Kupfer, Mangan und Selen. Wichtig ist also ein sinnvoller Ausgleich an Mineralstoffen und Spurenelementen (bei der Auswahl des MiFu zu beachten). –> Vor allem das Ca:P Verhältnis sollte man im Auge behalten, wenn man Luzerne in größeren Mengen füttert.
– Bei Weidegang oder reichhaltiger Grasfütterung kann es zum Eiweißüberschuss kommen, hier macht also die Ergänzung von Luzerne in größeren Mengen keinen Sinn.

Welche unterschiedlichen Darreichungsformen der Luzerne gibt es?

Da – wie wir eben gelernt haben – Luzerne ja zunächst nichts anderes als sehr energiereiches Heu ist, gibt es die Möglichkeit sie auch als solches zu behandeln: nämlich trocknen und in Ballen pressen. Hier hat man nur meist das Problem, dass die Blätter recht schnell bröseln, damit quasi nur noch Stängel übrig sind und das ganze eine eher staubige Angelegenheit werden kann.

Es gibt zum Beispiel gehäckselte Luzerne, die nur aus Stängeln besteht (z.B. Luzernefaserpur von Lexa). Diese enthält weniger Energie als übliches Heu und ist daher sehr gut geeignet, um leichtfuttrigen Pferden Zusatzfutter wie Mineralfutter etc. unterzumischen. Die gehäckselten Stängel werden auch gern genutzt, um die Fresszeit, das Kauen und das Einspeicheln von Krippenfutter wie Hafer zu verlängern/verbessern.

Dann gibt es weiter Häcksel aus der ganzen Pflanze (also mit Blattanteil), bei diesen hat man oftmals dasselbe Problem wie  bei Luzerne in Ballen: es  bröselt und wird staubig. Deshalb neigen leider viele Hersteller dazu, diese Häcksel zu melassieren. Hier scheiden sich dann wieder die Geister, ob Melasse gut oder schlecht ist und wenn in welchen Mengen es verfüttert werden kann/soll/darf. Ich bin sehr zufrieden mit der Qualität vom Luzerne Plus von Agrobs, da diese mit Grünhafer kombiniert ist und daher für ein Einzelfuttermittel ein sehr gutes Ca:P Verhältnis aufweist und mit rund 10% Rohprotein dennoch eine schöne Menge an Aminosäuren liefert. Hier wurde ein geringer Anteil Leinöl zugefügt, was für eine angenehm staubfreie und nicht zuuu trockene Substanz sorgt. Der leicht süßliche Geschmack vom Grünhafer führt dazu, dass dieses Produkt auch ohne Melasse meist sehr gern gefressen wird.

Kommen wir zu Luzernepellets. Da muss ich mir jetzt wirklich mal Proben bestellen, denn hier kann ich keine eigenen Erfahrungen vorweisen. Ich weiß aus Unterhaltungen mit Befürwortern dieser Form der Luzerne und aus entsprechender Recherche, dass es Pellets in unterschiedlichen Energieklassen gibt und diese auch trocken verfüttert werden können. Ein sehr guter Anbieter von solchen Pellets ist wohl Semhof. Im Vergleich nicht gerade günstig, aber eben trocken zu füttern (was ja in Pensionsställen oftmals Sinn macht), individuell für den Bedarf verfügbar und in Bio-Qualität.

Last but not Least: Luzernecobs
Meine bevorzugte Art der Luzernefütterung. Cobs haben in der Regel einen recht hohen Energiegehalt, vor allem die von Lexa, die ich regelmäßig bestelle. Sie werden eingeweicht gefüttert und sind ideal für schwerfuttrige Pferde als Ergänzung zu Hafer oder Reiskleie, zum Auffüttern oder auch zur Rationsaufwertung bei älteren Pferden mit Zahnproblemen.

So, ich hoffe, ich konnte euch einen guten Überblick verschaffen. Wenn ihr noch fragen oder Anregungen habt, dürft ihr euch jederzeit gerne melden. 🙂

In diesem Sinne trink ich jetzt meinen Martini aus und schaue, dass ich ins Bett komme, morgen will schließlich Herr Pferd bespaßt werden… Prost, auf euch, habt ein tolles Wochenende!

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

 

 

 

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