Jules und Micky… 3 Jahre voller Action

Ich wurde kürzlich gebeten doch ein wenig mehr zu Jules‘ und meinem Werdegang der letzten 3 Jahre zu erzählen. jaaa. Ich fang dann mal an 😉

März 2014 – Jules zieht ein

Als ich damals Anfang 2014 wieder in meine Heimat zog, war klar, dass über kurz oder lang auch wieder ein eigenes Pferd auf dem elterlichen Hof einziehen wird. Ich sah mich also eine Weile um und verliebte mich in Jules. Jules war damals 16, ich wusste von einem kleinen Arthrose-Problemchen im Vorjahr, aber sonst schien er soweit gesund. Jules ist ein Fuchs von 1,75m Stockmaß. Also genau das, was ich suchte. Nämlich 1,55 und Rappe … Aber man bekommt ja immer das Pferd, das man braucht und nicht, das man will oder wie war das?

Ankunft
Jules‘ erster Tag

Jules zog also ein. Jules kannte über mindestens 10 Jahre nur den Turnierstall. Also Box, Paddock und mit Glück ein Streifen Wiese. Man kann sich vorstellen, dass er anfangs ein wenig überfordert war von 1ha Winterweide (es war ja März) und draußen bleiben bis es dunkel wird. Die ersten Wochen hab ich ihn nämlich nachts noch eingestallt. Fütterung (Hafer/Maisflocken) hab ich von der Vorbesitzerin übernommen, genau wie die Ausrüstung. Ganz nach dem Motto „never change a running system“. Die erste Zeit ging alles gut. Der Herr gewöhnte sich langsam ans immer länger draußen bleiben und irgendwann Anfang Mai stand er dann abends auch nicht mehr wartend am Gatter und wollte rein. Nun hatten wir also ein waschechtes Offenstallpferd. Er wirkte glücklich und zufrieden in seiner WG mit dem Traber und wir lebten so vor uns hin. Gewisse reiterliche Defizite störten mich anfangs nicht, wir gingen ja nur ins Gelände.

 

Oktober 14 – die Reitbeteiligungen sind los

So vor dem Winter entschied ich mich eine Reitbeteiligung zu suchen, da klar war, dass ich neben der Arbeit und unseren suboptimalen Trainingsbedingungen (Grasplatz, kein Licht) im Winter nur wenig würde tun können mit Jules und grade mit der Arthrose im Hinterkopf möchte man ja regelmäßige gezielte Bewegung gewährleisten. Da ich niemand fand, der 2 Tage die Woche kommen wollte, hatten wir dann 2 sehr nette Mädels mit jeweils einem festen Tag. Alles lief super, die beiden liebten Jules, er mochte sie. Alle zufrieden.

Tiede
Winter 14 – hier noch mit alter Ausrüstung

Dezember 14 – das Schicksal nimmt seinen Lauf

Wir kommen also in den ersten gemeinsamen Winter und damit kam die Mauke. Hinten rechts. Das weiße Bein. Wo auch sonst. Gut. Ich also das Internet durchforstet und wochenlang die gängigen Hausmittelchen durchprobiert.  Nichts davon half. Als dann noch ein richtig schöner Einschuss dazukam, hab ich an den Tierarzt übergeben. Am Ende der Woche war ich 400€ ärmer und der Fuß maukefrei. Genau für eine Woche. Dann ging das Spiel von vorne los. Nur ohne Einschuss.

Nach einiger Recherche stieß ich dann auf die wunderbare Almut von sapodoris.de. Almut stand mir mit viel Rat und einem offenen Ohr in langen Emails immer zur Seite. Es wurden Fotos geschickt, Behandlungsempfehlungen ausgesprochen und langsam aber sicher wurde es besser, sehr langsam. Der Verdacht, dass da mehr im Argen liegt, wurde immer größer. Also Blutbild gemacht, Mineralmängel festgestellt. Diese behoben. Aber so richtig gut wurde es nicht. Noch nicht. Es war klar, ich brauche Hilfe vor Ort. Aber wen und woher und welcher Therapie-Ansatz?

Februar 2015 – so langsam geht’s an die Substanz

Da stand ich nun also. Nach knapp einem Jahr mit wieder eigenem Pferd. Eine totale Baustelle, ein immer noch dickes Bein. Offenbar ging es ihm einfach nicht gut und ich wusste nicht mehr, was ich noch tun sollte. Täglich zwei Mal waschen und cremen, dazu bewegen, damit das Bein dünner wird, Box misten, denn das sollte ja sauber bleiben… Ich kam wirklich an den Rand meiner Kräfte. Die Mädels waren klasse. Kamen trotz allem weiterhin jede Woche. Unterstützen mich mit allen Therapie-Ideen, die ich so hatte.

Im Februar dann kam unser Tierheilpraktiker Ulli ins Spiel. Und Ulli machte einen wunderbaren Job. Der ganzheitliche Ansatz, sein Gespür für Tiere und deren Baustellen und seine Behandlungsmethoden… Das brachte den Durchbruch. Denn auch wenn im Blutbild alles in Ordnung schien – so reagierte Jules doch extrem auf die Triggerpunkte für Leber und Niere. Dazu kam, dass ihm offensichtlich der Sattel, den ich von der Vorbesitzerin übernommen hatte, hinten und vorne nicht passte. Obendrein hatte er noch wirklich viele Verspannungen von Atlas bis Schweifrübe inklusive schiefer Hüfte… Die Baustelle wurde immer größer – das finanzielle Fass hatte schon länger keinen Boden mehr.

Wir starteten also mit verschiedenen Kuren für Leber/Niere. Dazu Akupunktur. Kurz darauf trat Vera in unser Leben, eine ganz wunderbare Physiotherapeutin, die in mehreren Sitzungen und mit vielen Erklärungen und Hausaufgaben Jules‘ Blockaden löste und siehe da – als das ISG nicht mehr blockiert war und durch die homöopathische Kur und die Akupunktur so langsam der Stoffwechsel wieder ins Lot kam, wurde auch das dicke Bein wieder dauerhaft dünn. Parallel dazu stellten wir die ganze Ernährung um. Weg mit dem Mais, her mit Schwarzhafer und Luzerne, passendes MiFu, alles tippitoppi.

Dazu kam dann natürlich auch ein neuer – passender Sattel. Naja. Passend. Dem Zitat der Sattlerin zufolge „so gut passend, wie diesem Pferd eben ein Sattel von der Stange passen kann“. Zwischen den Zeilen gelesen war mir also schon klar, dass da irgendwann nochmal was anderes her muss, aber für den Moment waren wir versorgt. Und zum Dressurreiten hatten wir ja ein Pad.

der neue Sattel
Die neue Ausrüstung ist da!

Nichtsdestoweniger musste ich einfach mal raus. Mir wurde alles zu viel. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen, nur noch Therapeuten am Pferd, Geld investiert ohne Ende. Abends nach der Arbeit Box misten, Bein versorgen, spazieren gehen. Ich war durch. Und auch mein THP war sicher, dass ich einfach mal raus musste, weil so langsam meine Sorgen das Problem am Gesundheitszustand des Pferdes waren.

Ich sprach also mit meinen Eltern und den RBs und fuhr spontan zwei Wochen in Urlaub. Dort wurde ich nur sporadisch auf dem Laufenden gehalten und erholte mich wirklich gut. Die Mädels und Papa hatte zu Hause im Stall alles im Griff. Als ich wieder kam, sah die Welt völlig anders aus. Ich hatte wieder Zuversicht und neuen Tatendrang und es ging voran.

Frühjahr 15

Wir werkelten also weiter so vor uns hin. Es ging auf die Sommerweide, der Herr nahm langsam zu (völlig abgebaut an Masse und Muskeln hatte er nämlich so ganz nebenbei im Winter auch noch), das Reiten lief wieder. Außerdem versuchte ich mich in Longe- und Bodenarbeit. Mit… nennen wir es mal „mäßigem“ Erfolg. Recht bald war klar: Wir brauchen Hilfe. So kam dann im

Juli 15

unsere liebe Tara ins Spiel. 🙂 Tara ist unsere Reitlehrerin und arbeitet nach klassisch-akademischen Grundsätzen. Genau so etwas hatte ich gesucht, weil ich Jules biomechanisch korrekt und nochmal ganz von Anfang an „ausbilden“ wollte. Als er kam war er recht schenkel- und zügellahm. Ich würde sagen klassisch „sauer geritten.“ Er mochte nicht an das Gebiss herantreten, konnte den Rücken nicht anheben. Von Versammlung, Aufrichtung oder auch nur vorwärts/abwärts keine Spur. Herr Pferd lief wie eine Giraffe und hatte keinerlei Motivation, daran was zu ändern. Der neue, passende Sattel, ein neuer Zaum (die pöhse Dressurkandare ) und die Behandlungen für den Rücken waren da schon ein wichtiger Schritt. Aber es war klar: Wenn man den Rücken dauerhaft bessern will, muss man an der Muskulatur und Beweglichkeit des Pferdes arbeiten und dabei sollte Tara uns helfen.

Ich fuhr Ende Juli 15 zu Tara, besichtigte den Stall und wir quatschten über eine Stunde über Jules, seine Vorgeschichte, meine reiterliche Vorgeschichte und ihre Trainingsansätze. Eine Woche später waren wir zum ersten Mal dort.

Tara 1
Akklimatisieren vor der ersten Einheit bei Tara

Tja. Was soll ich sagen. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet als dass ich 30 Minuten rückwärts gehend vor meinem Pferd herlaufe und ihn mit Gertenberührungen davon abhalte in einer Schulter auszufallen. Genau das war dann auch meine Hausaufgabe… 4 Wochen lang. 4 Wochen lief ich rückwärts mit der Gerte wedelnd vor meinem Pferd her und davor und danach massierte ich ihm den Rücken nach den Vorgaben von Vera (unserer Physio). Soll ich euch was sagen? Ich kam mir reichlich bekloppt vor. Meine Eltern lachten schon nur noch, wenn ich wieder mit Gerte und Kappzaum bewaffnet auf den Reitplatz stiefelte.

Massage
Massage Einheit

Aber nach 4 Wochen zeigten sich erste Erfolge und dann ging es eigentlich recht zügig vorwärts. Als der Herr dann mal verstanden hatte, dass er parallel fußen kann, dass Biegung nicht automatisch auf die Schulter kippen heißt und dass der Kopf so mit Maulspalte auf Buggelenkshöhe auch ganz bequem ist… Dann ging es in Riesenschritten vorwärts. Wir konnten dann den Abstand beim Führen immer weiter vergrößern, es klappten auch schon erste Trabversuche und es brauchte immer weniger Einwirkung für eine ordentliche Haltung. So ging es dann weiter zu den Grundlagen der Bodenarbeit. Kruppherein im Schritt, bald Schulterherein, beides am Zirkel, im Wechsel und auch im Trab… Das Pferd machte keinen Halt vor nichts mehr 🙂

Oktober 16
Oktober 15 nach der Bodenarbeit

Der nächste Winter kam und damit der Stillstand. Eine Reitbeteiligung verließ uns und um dem Herrn dann unter der Woche neben dem Job überhaupt Bewegung bieten zu können, fuhr ich einmal die Woche zu Tara. Wir hatten zwar immer tolle Einheiten, aber irgendwie kamen wir einige Wochen so gar nicht richtig voran. Wir probierten viele Gebisse durch, auch den Semikappzaum… und irgendwann hatten wir dann das richtige gefunden. 🙂

Im Januar 16

hatten wir den nächsten Durchbruch. Beim Trainingssamstag war Jules auf einmal super motiviert und wir mauserten uns zum Streberteam des Tages. Vom Kruppherein im Trab auf dem Zirkel wechselten wir quasi völlig fließend in die Traversalen. Ein Knoten war geplatzt und ich endlich mal wieder irrsinnig begeistert von meinem Pferd. Nicht dass ich das davor nicht gewesen wäre, aber dieser Stillstand und die viele Arbeit ohne nennenswertes Vorwärtskommen – irgendwie ist das doch frustrierend.

Wir bekamen also langsam neuen Tatendrang, der Winter war bald vorbei und es ging immer weiter vorwärts.

Leider war er über den Winter erneut sehr dünn geworden und er musste auf der Weide erst wieder einiges zulegen. Aber davon ab ging es ihm schon super.

Im Mai zog dann noch unser La Selle bei uns ein. Das war so der letzte Ausrüstungsgegenstand, den wir noch brauchten.

Im Juli 16

zu unserem Jahrestag waren wir auch wieder bei Tara zum Samstagstraining zu Gast und konnten gar nicht glauben, wie viel wir in dem einen Jahr gelernt hatten und wie weit wir schon gekommen waren: Ein gesundes, glückliches Pferd mit sichtbarer Motivation, die gestellten Aufgaben zu lösen und die Anforderungen zu übertreffen. Vernünftige Muskulatur, Beweglichkeit und völlig entspanntes Mitarbeiten. Ich war einfach nur glücklich.

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Die ersten Traversalen im Galopp

Zu der Zeit war ich nun auch 10 Wochen freigestellt von der Arbeit und hatte richtig viel Zeit, um mit Jules zu arbeiten. Ich wechselte anstrengende und weniger anstrengende Einheiten, Gymnastik am Platz mit Konditionstraining im Gelände ab. Und hier passierte dann auch das Unglaubliche… Eigentlich wollte ich ja einen Springer, hab dann aber mit Jules ein 10 Jahre lang nur dressurmäßig gerittenes Pferd gekauft mit der Info „Springen ist nicht so seins, der geht nicht mal gern über Cavaletti“… Na gut. Konnte ich irgendwie mit leben. Wir hatten uns für ein Jagdpferdetraining angemeldet. Unser Schleppjagdverein bietet das mehrmals im Jahr an zum Reinschnuppern für Pferd und Reiter. Ich dachte mir, wir versuchen das mal, schließlich liebte ich als Kind das Jagdreiten und Jules war ja mittlerweile absolut geländegängig – wenn auch kein Springer.

Nun ja. Wir galoppierten also im Gelände einen relativ steilen Waldweg hoch als plötzlich ein Baumstamm quer lag. Und ich rechnete mit allem… Dran vorbei, stehenbleiben, links, rechts… Aber nein. Jules setzte an und sprang drüber. Von alleine, völlig ohne Druck. Als ob er mir sagen wollte „Schau, jetzt hab ich genug Kraft, jetzt mach ich das auch gerne!“ Ich hätte weinen können vor Freude, so überwältigt war ich.

August 16

Wir fuhren also zum Jagdtraining. Und das war ein Spaß! Dass ich ein intelligentes Pferd habe, wusste ich ja schon länger, aber hier wuchs er wirklich über sich hinaus. Ich hatte mit Robert, dem Vereinsvize, vereinbart, dass er mir beim Springtraining mit Chico voraus-springt. Chico ist ein absolut routinierter Springer. Also ritten wir zum Obstgarten, Robert und Chico sprangen voraus und Jules sprang ohne zögern alles hinterher. Ob Baumstamm, Bürsten, Wall oder Graben. Es war ihm egal. Er sprang einfach. Wir waren also bestens für die Jagdsaison vorbereitet, denn wie das mit den Hunden und dem hinterher galoppieren läuft, das hatte Jules innerhalb von 2 Einheiten begriffen.

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Herbst/Winter  16/17

Wir ritten also eine unbeschreibliche Herbstjagdsaison mit insgesamt 7 Jagden, parallel dazu trainierten wir weiter mit Tara. Seit Oktober bzw. Dezember haben wir nun wieder 2 tolle Mädels, die uns regelmäßig unterstützen und bei denen Jules wirklich in besten Händen ist. Diesen Winter wurde er sogar ein bisschen mopsig, was ich von ihm gar nicht kenne, aber die Wohlstandsplautze steht ihm gut 😛 Hab ich wohl meiner weiteren Optimierung von Kraft- und Mineralfutter zu verdanken.

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Die Plautze 

Ich freue mich wirklich, nun nach der Winterpause endlich wieder voll ins Training einzusteigen und meinen nun fast 20-jährigen in die nächste Jagdsaison mit akademischem Background zu schicken. Ein bisschen bunte Hunde sind wir ja schon immer. Die ARler grinsen immer, wenn ich vom Jagdreiten erzähle, die Jagdreiter sind ganz erstaunt, wenn ich von der AR erzähle… Aber für uns beide ist das die perfekte Kombination. <3

Ich habe diese sehr persönliche Geschichte aufgeschrieben, um anderen Mut zu machen. Wir hatten wirklich dunkle Zeiten, in denen es uns nicht gut ging. Physisch wie psychisch. Jules ist ein Vollblut-typisch sehr sensibles Pferd. Er spiegelt viel, er trägt viel von mir, er kommuniziert viel – wenn man ihm zuhört. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass er anfangs auch Züge der erlernten Hilflosigkeit hatte, dass er sich damit abgefunden hatte, dass keiner versteht, was er will, woran er Freude hat. Wenn ich mir jetzt Bilder meines Pferdes ansehe, egal ob bei der Arbeit oder auf der Weide, dann sehe ich ein stolzes Pferd, das vor Lebensfreude sprüht, dem es gut geht und das „im Lack“ ist. Er hat sich wirklich zum zweiten Seelenpferd meines Lebens gemausert und ich bin einfach nur froh, ihn zu haben. Die Arthrose macht uns übrigens bis heute *KlopfAufHolz* dank angepasster Fütterung, Haltung und Training keinerlei Probleme. Nichtmal das Hüpfen über Jagdsprünge scheint ihn zu stören, denn wenn er das nicht freiwillig täte, würde ich das nie verlangen.

 

 

 

 

 

Ein typischer Jagd-Tag

Die Hunde voran, packen wir’s an…

In diesem Artikel möchte ich einmal erzählen, wie ein typischer Jagd-Tag bei uns so aussieht und auch wie eine Jagd üblicherweise abläuft.

08.00 Uhr: Ankunft am Stall

Pferd von der Koppel holen, in der Box parken. Putzen, füttern, für den Transport vorbereiten, Hänger ankuppeln, überprüfen, ob man alles wichtige eingepackt hat, Pferd verladen.

09.30 Uhr: Abfahrt zum Veranstaltungsort

10.50 Uhr: Ankunft am Veranstaltungsort

Versorgen der Pferde: Checken, ob alles ok ist, Wasser in den Hänger hängen.
Sich selbst fertig machen. Zum Umtrunk erscheint man bereits in kompletter Jagdmontur (je nach Wetter mit oder ohne Jagdrock), aber immer OHNE Sporen.

11.00 Uhr: Jagdfrühstück

Hier entrichtet man das Capgeld, trägt sich ins Jagdbuch ein, trifft alte Bekannte und neue Gesichter. Es gibt ein Frühstück und Getränke, damit dann alle gestärkt aufbrechen können.

12.30 Uhr: Satteln

13.00 Uhr: Stelldichein

Man nimmt Aufstellung zu Pferde, die Jagdhornbläser spielen, die Meute wird herangeführt, der Master hält eine kurze Ansprache, man wünscht sich eine gute, unfallfreie Jagd und nach einem dreifachen, kräftigen „Horrido“ — „joho“ gefolgt vom „Die Hunde voran, packen wir’s an, Bayernpack ran“ reitet man los in Richtung der ersten Schleppe.

Die eigentliche Jagd

Eine Jagd besteht meist aus ca. 6 Schleppen, die auf rund 17-25km Strecke verlaufen. Zwischen den einzelnen Schleppen wird Schritt oder locker Trab geritten, auch vor der ersten Schleppe reitet man zum Aufwärmen locker alle drei Gangarten.

Dann gehen die Schleppenleger los, in gutem Abstand werden die Hunde auf die Spur geführt, man wünscht sich „Gute Jagd“ und los geht’s. Man „fliegt“ durch malerisches Gelände, durch Wasser, bergauf, bergab über die Sprünge (oder daran vorbei) — alles untermalt von den Jagdhornbläsern und dem Geläut der Hunde… Einfach nur traumhaft. Bis man am Ende der Schleppe wieder auf die Hunde und die „gestellten“ Schleppenleger trifft.

Nach einer kurzen Verschnaufpause und dem Tränken der Hunde nimmt man wieder Aufstellung und bewegt sich geordnet in Richtung der nächsten Schleppe.

Zwischen den Schleppen gibt es einen Brotzeit-Halt. Hier werden Mensch und Tier mit Getränken und kleinen Stärkungen versorgt.

Nach der letzten Schleppe gibt es das „Halali“. Man schüttelt Hände, busselt sich und freut sich, dass (hoffentlich) alle gesund und munter die Jagd überstanden haben. Wenn alle Helme und Handschuhe wieder angezogen sind, geht es zurück zum Ausgangsort, wo der Master noch einmal ein paar Worte spricht, die Hunde ihr „Curée“ erhalten und die Reiter nach einem „Waidmannsheil — Waidmannsdank“ ihren Bruch nebst Jagdknopf.

 

Danach sattelt man ab, versorgt und verlädt die Pferde und trifft sich noch zu einem netten Ausklang in Form von Umtrunk und Jagdessen. Wenn alle satt sind und der Durst gestillt ist, bricht man langsam auf in Richtung Heimat.

Am Ende eines langen, anstrengenden Tages sind Mensch, Pferd und Hunde ziemlich K.O. und fallen tot ins Bett – und mit etwas Glück träumen sie vom nächsten jagdlichen Abenteuer. 🙂

Die hier verwendeten Fotos entstanden mit freundlicher Unterstützung von Stephan Einödshofer. Die Jagd fand auf dem Gelände des Schleppjagdverein von Bayern e.V. statt, hinter dessen Meute ich regelmäßig reite.

 

 

Schleppjagdreiten – FAQ

Hier werde ich mal die häufigsten Fragen beantworten, die ich als Schleppjagdreiter so regelmäßig gestellt bekomm…

Ist das so richtig Jagd, mit Gewehren und wird da was getötet?

Nein und nein. Wir reiten mit Hunden, unsere Foxhounds gehen auf eine Duftspur („Schleppe“ oder „Scent“), die unmittelbar vorher von den Schleppenlegern gelegt wurde. Die Beute der Hund ist am Ende der Schleppe quasi das „Stellen“ der Schleppenleger und baden/trinken aus/in natürlichen Quellen bzw. zuvor bereit gestellten künstlichen Wasserstellen (Wannen). Am Ende der Jagd, was meist nach 5-7 Schleppen der Fall ist, erhalten die Hunde ihr Curee, das ist meistens Pansen und entsprechend gewöhnungsbedürftig im Geruch 😛

Wie kommt man zum Jagdreiten?

Nun ja, zum Beispiel indem man wie ich einen etwas geisteskranken Opa hat, der einen 12-jährig schon nach Herrenchiemsee schleppt und so quasi das Jagdfieber schon früh schürt. Alternativ über die Buschreiterei, viele unserer aktiven Reiter sind im normalen Leben Vielseitigkeitsreiter. Andere kennen eben Jagdreiter, schnuppern mal rein und bleiben drauf hängen oder man reitet einfach gern ambitioniert, trainiert gern auf ein Ziel hin ohne am Ende irgendwelche Wettbewerbe bestreiten zu wollen. Es gibt viele Gründe und Wege wie und warum man zum Jagdreiten kommt, da wieder raus gibt es meist nur einen: das persönliche an-den-Nagel-hängen des Reitsports als solchen.

Wo macht man das?

Hier in Bayern haben wir gleich zwei Meuten – die Frankenmeute mit Beagles (diese gehen allerdings auf Tritt- nicht auf Duftspuren) und meinen Verein, den Schleppjagdverein von Bayern e.V. mit seinen über 70 Foxhounds, der in Gundelsdorf in der Nähe von Augsburg ansässig ist. Jagden werden organisiert und ausgerichtet in ganz Bayern (es gibt auch noch weitere Meuten/Vereine im Rest von Deutschland). Besonders interessant werden sogenannte Zweimeutejagden, wenn die Bayern und die Franken sich gemeinsam die Ehre geben. Das ist ein ganz besonderes Spektaktel, wenn wie am 17.09. bei uns in Gundelsdorf, 25 fränkische Beagle und 25 bayerische Foxhounds zusammen laufen.

Was fasziniert dich so am Jagdreiten?

Um es mit den Worten unseres Vizepräsidenten zu sagen: „Der Dreiklang. Die Hunde. Die Pferde. Die Natur.“
Es ist ein ganz besonderes Gefühl hinter diesen einzigartigen Hunden zu reiten, man fliegt über Felder, Wiesen und durch Wälder in einem Tempo, das man alleine nie reiten würde, schert sich nicht darum, dass es auf einmal bergab geht und genießt einfach das atemberaubende Panorama unterschiedlichster Geländearten und Gegenden. Es ist „ambitioniertes Reiten“ in netter Gesellschaft. Ja, auch die Gesellschaft und Geselligkeit kommt beim Jagdreiten nicht zu kurz. Man reitet zusammen, man teilt eine Passion, man hilft sich. Das ist so eine ganz andere Atmosphäre als beispielsweise beim Turnier.

Kann man das lernen?

Ja und nein. Unser Verein veranstaltet regelmäßig im Sommer tolle Trainings. Dort kann man mit dem eigenen Pferd in fünf Tagen herausfinden, ob dieser Sport etwas für einen selbst und das Pferd ist, ob man fit genug ist für die Herbstsaison (und hier sollte wirklich nicht nur das Pferd fit sein) und ja, man lernt auch viele Tricks und Kniffe, die einem „im Feld“ sehr dienlich sein können. Nichtsdestoweniger passiert auf jeder Jagd immer irgendetwas völlig unvorhersehbares und man muss immer hochkonzentriert bei der Sache sein. Ich finde, wenn man die nötige Sattelfestigkeit beim Reiter und Trittsicherheit sowie Grundgeschwindigkeit beim Pferd mitbringt, kann man den Rest auf jeden Fall lernen.

Braucht man ein spezielles Pferd?

Nun, rassemäßig gibt es wohl nichts, was es auf Jagden nicht gibt. Ich hab vom Vollblut übers Warmblut übers Kaltblut bis zum Pony schon alles auf Jagden laufen und sie auch  bestehen sehen. Wichtig ist, dass das Pferd „gut geländegängig“ ist sowie ein gewisses Grundtempo laufen will und halten kann. Springen ist nicht zwingend erforderlich, es gibt eigentlich immer ein Nichtspringerfeld und die Sprünge können sicher umritten werden. Nervenstärke hilft enorm, das Pferd sollte kein Problem im engeren Feld mit nahe galoppierenden anderen Pferden haben und Angst vor Hunden wäre äußerst kontraproduktiv  😉

Braucht man spezielle Ausrüstung?

Zunächst einmal reicht ein üblicher englischer Sattel und Zaum. Spartenfremde Ausrüstung ist nicht gestattet, aber ob man nun mit Spring- oder Vielseitigskeits- oder gar Dressursattel reitet, juckt wirklich niemanden. Der Zaum sollte gut passend sein und man sollte sich vorher überlegen, ob man nicht ausnahmsweise ein etwas „schärferes“ Gebiss benutzt. Nein, natürlich soll man nicht mit den Zügeln bremsen und ich unterstütze dergleichen auch nicht, dennoch ist es so, dass viele Pferde – vor allem wenn sie noch unerfahren sind – gut heiß werden und da ist es beruhigend zu wissen, dass man doch etwas mehr in der Hand hat als sonst. Viele reiten mit Vorderzeug und/oder „Jagdriemen“. Ersteres ist natürlich nie schlecht für die Sicherheit, falls man doch mal unfreiwillig absteigt, dass die Zügel dort bleiben, wo sie hingehören. Abgesehen davon ist es nicht verkehrt, die Pferdebeine zu schützen, das heißt in der Regel sieht man farblich zur Schabracke (nicht Satteldecke) passende Gamaschen und vereinzelt auch Hufglocken an den Pferdebeinen. Darüberhinaus schadet es nicht, wenn man ein beschlagenes Pferd hat, die Eisen auf festen Halt zu überprüfen bevor man losreitet. Während der Jagd verlorene Eisen sind immer sehr ärgerlich und haben im worst case das Ende der Jagd für einen selbst zur Folge.

Reiter tragen als Mindestanforderung Turnierkleidung (weiße Hose, Jackett, Stiefel, Plastron). Erfahrenere oder besser langjährige Jagdreiter erkennt man meist an spezieller Kleidung bestehend aus Jagrock und Weste plus Plastron und farblich passenden Stiefeln.

Farbtechnisch reiten wir Bayern im Herbst recht knallig. Das heißt die Herren in rotem Rock und weißer Hose und die Damen in blauem Rock und maisgelber (angelehnt ans Gold) Hose. Dazu tragen die Herren schwarze Stiefel mit brauner Stulpe, die Damen blaue Stulpe. Zumeist sieht man allerdings ganz schwarze Stiefel, was auch „regelkonform“ ist. Auf dem Kopf trägt man traditionell eine Melone, heute ist natürlich dem Sicherheitsaspekt folgend ein Reithelm vollkommen in Ordnung und auch Sicherheitswesten oder Protektoren sind gestattet.

…to be continued…

Das hier verwendete Foto entstand mit freundlicher Unterstützung von Stephan Einödshofer!