Jules und Micky… 3 Jahre voller Action

Ich wurde kürzlich gebeten doch ein wenig mehr zu Jules‘ und meinem Werdegang der letzten 3 Jahre zu erzählen. jaaa. Ich fang dann mal an 😉

März 2014 – Jules zieht ein

Als ich damals Anfang 2014 wieder in meine Heimat zog, war klar, dass über kurz oder lang auch wieder ein eigenes Pferd auf dem elterlichen Hof einziehen wird. Ich sah mich also eine Weile um und verliebte mich in Jules. Jules war damals 16, ich wusste von einem kleinen Arthrose-Problemchen im Vorjahr, aber sonst schien er soweit gesund. Jules ist ein Fuchs von 1,75m Stockmaß. Also genau das, was ich suchte. Nämlich 1,55 und Rappe … Aber man bekommt ja immer das Pferd, das man braucht und nicht, das man will oder wie war das?

Ankunft
Jules‘ erster Tag

Jules zog also ein. Jules kannte über mindestens 10 Jahre nur den Turnierstall. Also Box, Paddock und mit Glück ein Streifen Wiese. Man kann sich vorstellen, dass er anfangs ein wenig überfordert war von 1ha Winterweide (es war ja März) und draußen bleiben bis es dunkel wird. Die ersten Wochen hab ich ihn nämlich nachts noch eingestallt. Fütterung (Hafer/Maisflocken) hab ich von der Vorbesitzerin übernommen, genau wie die Ausrüstung. Ganz nach dem Motto „never change a running system“. Die erste Zeit ging alles gut. Der Herr gewöhnte sich langsam ans immer länger draußen bleiben und irgendwann Anfang Mai stand er dann abends auch nicht mehr wartend am Gatter und wollte rein. Nun hatten wir also ein waschechtes Offenstallpferd. Er wirkte glücklich und zufrieden in seiner WG mit dem Traber und wir lebten so vor uns hin. Gewisse reiterliche Defizite störten mich anfangs nicht, wir gingen ja nur ins Gelände.

 

Oktober 14 – die Reitbeteiligungen sind los

So vor dem Winter entschied ich mich eine Reitbeteiligung zu suchen, da klar war, dass ich neben der Arbeit und unseren suboptimalen Trainingsbedingungen (Grasplatz, kein Licht) im Winter nur wenig würde tun können mit Jules und grade mit der Arthrose im Hinterkopf möchte man ja regelmäßige gezielte Bewegung gewährleisten. Da ich niemand fand, der 2 Tage die Woche kommen wollte, hatten wir dann 2 sehr nette Mädels mit jeweils einem festen Tag. Alles lief super, die beiden liebten Jules, er mochte sie. Alle zufrieden.

Tiede
Winter 14 – hier noch mit alter Ausrüstung

Dezember 14 – das Schicksal nimmt seinen Lauf

Wir kommen also in den ersten gemeinsamen Winter und damit kam die Mauke. Hinten rechts. Das weiße Bein. Wo auch sonst. Gut. Ich also das Internet durchforstet und wochenlang die gängigen Hausmittelchen durchprobiert.  Nichts davon half. Als dann noch ein richtig schöner Einschuss dazukam, hab ich an den Tierarzt übergeben. Am Ende der Woche war ich 400€ ärmer und der Fuß maukefrei. Genau für eine Woche. Dann ging das Spiel von vorne los. Nur ohne Einschuss.

Nach einiger Recherche stieß ich dann auf die wunderbare Almut von sapodoris.de. Almut stand mir mit viel Rat und einem offenen Ohr in langen Emails immer zur Seite. Es wurden Fotos geschickt, Behandlungsempfehlungen ausgesprochen und langsam aber sicher wurde es besser, sehr langsam. Der Verdacht, dass da mehr im Argen liegt, wurde immer größer. Also Blutbild gemacht, Mineralmängel festgestellt. Diese behoben. Aber so richtig gut wurde es nicht. Noch nicht. Es war klar, ich brauche Hilfe vor Ort. Aber wen und woher und welcher Therapie-Ansatz?

Februar 2015 – so langsam geht’s an die Substanz

Da stand ich nun also. Nach knapp einem Jahr mit wieder eigenem Pferd. Eine totale Baustelle, ein immer noch dickes Bein. Offenbar ging es ihm einfach nicht gut und ich wusste nicht mehr, was ich noch tun sollte. Täglich zwei Mal waschen und cremen, dazu bewegen, damit das Bein dünner wird, Box misten, denn das sollte ja sauber bleiben… Ich kam wirklich an den Rand meiner Kräfte. Die Mädels waren klasse. Kamen trotz allem weiterhin jede Woche. Unterstützen mich mit allen Therapie-Ideen, die ich so hatte.

Im Februar dann kam unser Tierheilpraktiker Ulli ins Spiel. Und Ulli machte einen wunderbaren Job. Der ganzheitliche Ansatz, sein Gespür für Tiere und deren Baustellen und seine Behandlungsmethoden… Das brachte den Durchbruch. Denn auch wenn im Blutbild alles in Ordnung schien – so reagierte Jules doch extrem auf die Triggerpunkte für Leber und Niere. Dazu kam, dass ihm offensichtlich der Sattel, den ich von der Vorbesitzerin übernommen hatte, hinten und vorne nicht passte. Obendrein hatte er noch wirklich viele Verspannungen von Atlas bis Schweifrübe inklusive schiefer Hüfte… Die Baustelle wurde immer größer – das finanzielle Fass hatte schon länger keinen Boden mehr.

Wir starteten also mit verschiedenen Kuren für Leber/Niere. Dazu Akupunktur. Kurz darauf trat Vera in unser Leben, eine ganz wunderbare Physiotherapeutin, die in mehreren Sitzungen und mit vielen Erklärungen und Hausaufgaben Jules‘ Blockaden löste und siehe da – als das ISG nicht mehr blockiert war und durch die homöopathische Kur und die Akupunktur so langsam der Stoffwechsel wieder ins Lot kam, wurde auch das dicke Bein wieder dauerhaft dünn. Parallel dazu stellten wir die ganze Ernährung um. Weg mit dem Mais, her mit Schwarzhafer und Luzerne, passendes MiFu, alles tippitoppi.

Dazu kam dann natürlich auch ein neuer – passender Sattel. Naja. Passend. Dem Zitat der Sattlerin zufolge „so gut passend, wie diesem Pferd eben ein Sattel von der Stange passen kann“. Zwischen den Zeilen gelesen war mir also schon klar, dass da irgendwann nochmal was anderes her muss, aber für den Moment waren wir versorgt. Und zum Dressurreiten hatten wir ja ein Pad.

der neue Sattel
Die neue Ausrüstung ist da!

Nichtsdestoweniger musste ich einfach mal raus. Mir wurde alles zu viel. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen, nur noch Therapeuten am Pferd, Geld investiert ohne Ende. Abends nach der Arbeit Box misten, Bein versorgen, spazieren gehen. Ich war durch. Und auch mein THP war sicher, dass ich einfach mal raus musste, weil so langsam meine Sorgen das Problem am Gesundheitszustand des Pferdes waren.

Ich sprach also mit meinen Eltern und den RBs und fuhr spontan zwei Wochen in Urlaub. Dort wurde ich nur sporadisch auf dem Laufenden gehalten und erholte mich wirklich gut. Die Mädels und Papa hatte zu Hause im Stall alles im Griff. Als ich wieder kam, sah die Welt völlig anders aus. Ich hatte wieder Zuversicht und neuen Tatendrang und es ging voran.

Frühjahr 15

Wir werkelten also weiter so vor uns hin. Es ging auf die Sommerweide, der Herr nahm langsam zu (völlig abgebaut an Masse und Muskeln hatte er nämlich so ganz nebenbei im Winter auch noch), das Reiten lief wieder. Außerdem versuchte ich mich in Longe- und Bodenarbeit. Mit… nennen wir es mal „mäßigem“ Erfolg. Recht bald war klar: Wir brauchen Hilfe. So kam dann im

Juli 15

unsere liebe Tara ins Spiel. 🙂 Tara ist unsere Reitlehrerin und arbeitet nach klassisch-akademischen Grundsätzen. Genau so etwas hatte ich gesucht, weil ich Jules biomechanisch korrekt und nochmal ganz von Anfang an „ausbilden“ wollte. Als er kam war er recht schenkel- und zügellahm. Ich würde sagen klassisch „sauer geritten.“ Er mochte nicht an das Gebiss herantreten, konnte den Rücken nicht anheben. Von Versammlung, Aufrichtung oder auch nur vorwärts/abwärts keine Spur. Herr Pferd lief wie eine Giraffe und hatte keinerlei Motivation, daran was zu ändern. Der neue, passende Sattel, ein neuer Zaum (die pöhse Dressurkandare ) und die Behandlungen für den Rücken waren da schon ein wichtiger Schritt. Aber es war klar: Wenn man den Rücken dauerhaft bessern will, muss man an der Muskulatur und Beweglichkeit des Pferdes arbeiten und dabei sollte Tara uns helfen.

Ich fuhr Ende Juli 15 zu Tara, besichtigte den Stall und wir quatschten über eine Stunde über Jules, seine Vorgeschichte, meine reiterliche Vorgeschichte und ihre Trainingsansätze. Eine Woche später waren wir zum ersten Mal dort.

Tara 1
Akklimatisieren vor der ersten Einheit bei Tara

Tja. Was soll ich sagen. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet als dass ich 30 Minuten rückwärts gehend vor meinem Pferd herlaufe und ihn mit Gertenberührungen davon abhalte in einer Schulter auszufallen. Genau das war dann auch meine Hausaufgabe… 4 Wochen lang. 4 Wochen lief ich rückwärts mit der Gerte wedelnd vor meinem Pferd her und davor und danach massierte ich ihm den Rücken nach den Vorgaben von Vera (unserer Physio). Soll ich euch was sagen? Ich kam mir reichlich bekloppt vor. Meine Eltern lachten schon nur noch, wenn ich wieder mit Gerte und Kappzaum bewaffnet auf den Reitplatz stiefelte.

Massage
Massage Einheit

Aber nach 4 Wochen zeigten sich erste Erfolge und dann ging es eigentlich recht zügig vorwärts. Als der Herr dann mal verstanden hatte, dass er parallel fußen kann, dass Biegung nicht automatisch auf die Schulter kippen heißt und dass der Kopf so mit Maulspalte auf Buggelenkshöhe auch ganz bequem ist… Dann ging es in Riesenschritten vorwärts. Wir konnten dann den Abstand beim Führen immer weiter vergrößern, es klappten auch schon erste Trabversuche und es brauchte immer weniger Einwirkung für eine ordentliche Haltung. So ging es dann weiter zu den Grundlagen der Bodenarbeit. Kruppherein im Schritt, bald Schulterherein, beides am Zirkel, im Wechsel und auch im Trab… Das Pferd machte keinen Halt vor nichts mehr 🙂

Oktober 16
Oktober 15 nach der Bodenarbeit

Der nächste Winter kam und damit der Stillstand. Eine Reitbeteiligung verließ uns und um dem Herrn dann unter der Woche neben dem Job überhaupt Bewegung bieten zu können, fuhr ich einmal die Woche zu Tara. Wir hatten zwar immer tolle Einheiten, aber irgendwie kamen wir einige Wochen so gar nicht richtig voran. Wir probierten viele Gebisse durch, auch den Semikappzaum… und irgendwann hatten wir dann das richtige gefunden. 🙂

Im Januar 16

hatten wir den nächsten Durchbruch. Beim Trainingssamstag war Jules auf einmal super motiviert und wir mauserten uns zum Streberteam des Tages. Vom Kruppherein im Trab auf dem Zirkel wechselten wir quasi völlig fließend in die Traversalen. Ein Knoten war geplatzt und ich endlich mal wieder irrsinnig begeistert von meinem Pferd. Nicht dass ich das davor nicht gewesen wäre, aber dieser Stillstand und die viele Arbeit ohne nennenswertes Vorwärtskommen – irgendwie ist das doch frustrierend.

Wir bekamen also langsam neuen Tatendrang, der Winter war bald vorbei und es ging immer weiter vorwärts.

Leider war er über den Winter erneut sehr dünn geworden und er musste auf der Weide erst wieder einiges zulegen. Aber davon ab ging es ihm schon super.

Im Mai zog dann noch unser La Selle bei uns ein. Das war so der letzte Ausrüstungsgegenstand, den wir noch brauchten.

Im Juli 16

zu unserem Jahrestag waren wir auch wieder bei Tara zum Samstagstraining zu Gast und konnten gar nicht glauben, wie viel wir in dem einen Jahr gelernt hatten und wie weit wir schon gekommen waren: Ein gesundes, glückliches Pferd mit sichtbarer Motivation, die gestellten Aufgaben zu lösen und die Anforderungen zu übertreffen. Vernünftige Muskulatur, Beweglichkeit und völlig entspanntes Mitarbeiten. Ich war einfach nur glücklich.

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Die ersten Traversalen im Galopp

Zu der Zeit war ich nun auch 10 Wochen freigestellt von der Arbeit und hatte richtig viel Zeit, um mit Jules zu arbeiten. Ich wechselte anstrengende und weniger anstrengende Einheiten, Gymnastik am Platz mit Konditionstraining im Gelände ab. Und hier passierte dann auch das Unglaubliche… Eigentlich wollte ich ja einen Springer, hab dann aber mit Jules ein 10 Jahre lang nur dressurmäßig gerittenes Pferd gekauft mit der Info „Springen ist nicht so seins, der geht nicht mal gern über Cavaletti“… Na gut. Konnte ich irgendwie mit leben. Wir hatten uns für ein Jagdpferdetraining angemeldet. Unser Schleppjagdverein bietet das mehrmals im Jahr an zum Reinschnuppern für Pferd und Reiter. Ich dachte mir, wir versuchen das mal, schließlich liebte ich als Kind das Jagdreiten und Jules war ja mittlerweile absolut geländegängig – wenn auch kein Springer.

Nun ja. Wir galoppierten also im Gelände einen relativ steilen Waldweg hoch als plötzlich ein Baumstamm quer lag. Und ich rechnete mit allem… Dran vorbei, stehenbleiben, links, rechts… Aber nein. Jules setzte an und sprang drüber. Von alleine, völlig ohne Druck. Als ob er mir sagen wollte „Schau, jetzt hab ich genug Kraft, jetzt mach ich das auch gerne!“ Ich hätte weinen können vor Freude, so überwältigt war ich.

August 16

Wir fuhren also zum Jagdtraining. Und das war ein Spaß! Dass ich ein intelligentes Pferd habe, wusste ich ja schon länger, aber hier wuchs er wirklich über sich hinaus. Ich hatte mit Robert, dem Vereinsvize, vereinbart, dass er mir beim Springtraining mit Chico voraus-springt. Chico ist ein absolut routinierter Springer. Also ritten wir zum Obstgarten, Robert und Chico sprangen voraus und Jules sprang ohne zögern alles hinterher. Ob Baumstamm, Bürsten, Wall oder Graben. Es war ihm egal. Er sprang einfach. Wir waren also bestens für die Jagdsaison vorbereitet, denn wie das mit den Hunden und dem hinterher galoppieren läuft, das hatte Jules innerhalb von 2 Einheiten begriffen.

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Herbst/Winter  16/17

Wir ritten also eine unbeschreibliche Herbstjagdsaison mit insgesamt 7 Jagden, parallel dazu trainierten wir weiter mit Tara. Seit Oktober bzw. Dezember haben wir nun wieder 2 tolle Mädels, die uns regelmäßig unterstützen und bei denen Jules wirklich in besten Händen ist. Diesen Winter wurde er sogar ein bisschen mopsig, was ich von ihm gar nicht kenne, aber die Wohlstandsplautze steht ihm gut 😛 Hab ich wohl meiner weiteren Optimierung von Kraft- und Mineralfutter zu verdanken.

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Die Plautze 

Ich freue mich wirklich, nun nach der Winterpause endlich wieder voll ins Training einzusteigen und meinen nun fast 20-jährigen in die nächste Jagdsaison mit akademischem Background zu schicken. Ein bisschen bunte Hunde sind wir ja schon immer. Die ARler grinsen immer, wenn ich vom Jagdreiten erzähle, die Jagdreiter sind ganz erstaunt, wenn ich von der AR erzähle… Aber für uns beide ist das die perfekte Kombination. <3

Ich habe diese sehr persönliche Geschichte aufgeschrieben, um anderen Mut zu machen. Wir hatten wirklich dunkle Zeiten, in denen es uns nicht gut ging. Physisch wie psychisch. Jules ist ein Vollblut-typisch sehr sensibles Pferd. Er spiegelt viel, er trägt viel von mir, er kommuniziert viel – wenn man ihm zuhört. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass er anfangs auch Züge der erlernten Hilflosigkeit hatte, dass er sich damit abgefunden hatte, dass keiner versteht, was er will, woran er Freude hat. Wenn ich mir jetzt Bilder meines Pferdes ansehe, egal ob bei der Arbeit oder auf der Weide, dann sehe ich ein stolzes Pferd, das vor Lebensfreude sprüht, dem es gut geht und das „im Lack“ ist. Er hat sich wirklich zum zweiten Seelenpferd meines Lebens gemausert und ich bin einfach nur froh, ihn zu haben. Die Arthrose macht uns übrigens bis heute *KlopfAufHolz* dank angepasster Fütterung, Haltung und Training keinerlei Probleme. Nichtmal das Hüpfen über Jagdsprünge scheint ihn zu stören, denn wenn er das nicht freiwillig täte, würde ich das nie verlangen.

 

 

 

 

 

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… IV

Unbenannt

Teil 4 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Von Wasseradern, bösen Strahlen und Aluhüten

Sooo. Da war diese eine Dame. Hatte ihr Pferd bei uns. Das fing irgendwann an „unkrontolliert zu beißen und zu treten“, das müsse an den „negativen Strahlen“ liegen… Man fragt dann ganz interessiert: „Welche negativen Strahlen? Mir ist noch nichts aufgefallen…“
Jaaa, also da sei dieser neue Sendemast 2 Felder weiter, sie spüre das auch ganz genau, das macht die Lebewesen kirre.

Gut, wollen wir mal nicht so sein. Ich also bewaffnet mit Aluhütchen und Wünschelrute aufgebrochen zur Sendemastenjagd quer über die Felder. Wäre ja gelacht, wenn wir diesen negativen Strahlen nicht den Garaus machen könnten.

Auf dem Weg über die Felder kam mir dann so nach und nach der Gedanke, wie denn so ein Sendemast aussehen müsste. Der Beschreibung der gefährlichen Strahlung nach, hätte ich mit etwas mit Satellitenschüsseln oder doch zumindest meterhohen Antennen gerechnet. Mindestens!… Joa. Der „Sendemast“ entpuppte sich letzten Endes als Stock. Ein 2-Meter-langer Stock, den unser Nachbar mitten in sein Feld geschlagen hatte, um erkennen zu können, wo er welche Sorte Getreide angesäht hat.

Zwei Wochen später tat sich das Pferd dann wirklich was. Kratzer am Röhrbein.  Die Strahlung konnte ja nicht Schuld sein, da müssen Wasseradern fließen. Unterirdisch. Unsichtbar. Aber spürbar. Für die Pferde. Wie der Vollmond – wer kennt sie nicht, die Wer-Pferde. 😉
GsD zog die dann bald aus, dahin, wo weniger Strahlung und Wasseradern ihr Hüh belasten… Wo auch immer das sein mag – deutsches Outback oder so. Sonst hätt ich ihr noch erzählen müssen, dass die neu-verlegten Betonspalten als UFO-Landeplatz dienen sollen.

Darauf ein Bierchen. Prost. Schönes WE euch,
Eure Offenstalltussi

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… III

Teil 3 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Heute: Mietpreller und andere Opportunisten

Das sind mir die allerliebsten… Man investiert Zeit, man zeigt ihnen den Stall, man bespricht die Bedingungen, man schließt einen Vertrag ab. Man ist nett. Man lässt sie einige Tage umsonst einstellen, so als Startbonus.

Und dann wartet man. Darauf, dass das Geld kommt und darauf, dass die Dame sich mal wieder blicken lässt. Zum Stalldienst, wie vereinbart. Auf Nachfrage kommt dann „ok, ich zahl lieber den vereinbarten Betrag x mehr, momentan ist so viel los, ich schaff die 20 Minuten Stalldienst nicht…“

Ok, man bespricht und arrangiert sich mit dem Rest der Stallgemeinschaft. Man übernimmt die Stalldienste. Man wartet weiter auf sein Geld. Das ist nun schon 10 Tage überfällig. Auf Nachfrage heißt es, es sei überwiesen. Ok. 3 Tage später immer noch nichts da. Man fragt wieder nach. Ach? Es gibt einen Engpass bei der Gehaltszahlung? Mhm. Ja, durchaus. Das ist ja heutzutage in großen Unternehmen Gang und Gäbe, dass die einfach das Gehalt nicht überweisen…

Gut. Irgendwann wird es einem zu bunt. Das fängt ja schon gut an. Die ersten 3 Wochen schon nur Ärger. Man wird etwas nachdrücklicher in der Forderung. Daraufhin wird einem nahegelegt, man möge das Pferd (Stute, 24, Zustand zumindest fragwürdig) doch behalten. Man würde das geschenkt bekommen. Das sei ja großzügig inkl. Zubehör bestehend aus einem uralten Sattel und 5 nicht-passenden Trensen. Also Pferd und Zubehör als Aufrechnung gegen die fehlende Stallmiete… Ähh. Nein.

Wenn ich ein zweites Pferd wollte, dann doch eins, was noch n paar Jahr als Reitpferd vor sich hat. Also abgelehnt. Da wird man dann noch beschimpft. Man sei undankbar und würde lügen und überhaupt. In so einem Privatstall, da könne man ja wohl mal geduldig sein und auf sein Geld warten. Nur deswegen sei man ja vom großen Stall dahin gezogen (ein Schelm, wer hier einen Vorsatz klingeln hört)… Ähh. Nein. Gerade im „Privatstall“ kann man eben nicht warten. Entschuldigung? Warum sollte ich das Pferd eines Einstellers mitfinanzieren?

Ganz zu schweigen davon, dass ich die Dame ja zwischendurch zum Stall zitieren musste. Stuti hatte Augenentzündung. Hab ihr noch aufgeschrieben, was für Tropfen zu besorgen sind… Die kam dann auch – einmal in den 10 Wochen. Brachte Tropfen, nur leider die falschen. Die richtigen hab ich dann gekauft. Von meinem Geld. Hab ich Stuti auch 2mal täglich ins Auge gepult. Man ist da ja nicht so. Will das Pferd ja nicht leiden sehen.

Nun gut. Hab dann die Kündigung geschrieben. War dann das Arschloch. Wie ich mir das vorstelle? Mitten im Winter einen neuen Stall finden, ist ja quasi unmöglich (klar, noch günstiger als bei uns als Teil-SV wird’s halt auch nicht…). Wollte dann „ihre Sachen“ holen die Dame. Hab ich verweigert. Sachen abholen ja. Aber nur MIT Pferd. Sachen alleine rück‘ ich nicht raus. War ich dann wieder das Arschloch. Will mich ja an meinen Einstellern bereichern…

Ich sag‘s euch. Als dieses Pferd dann nach 10 Wochen insgesamt und Begleichung der Stallmiete für 8 Wochen endlich ausgezogen war… Da haben alle erstmal aufgeatmet. 😉

In diesem Sinne: Auf die guten Seelen. Auf die Einsteller, die unermüdlich mithelfen, die mehr tun als sie müssten, die lieb sind, die pünktlich bezahlen und die einem einfach zeigen, dass auch die Reiterwelt nicht nur aus egoistischen Vollidioten besteht, wie man manchmal schon fast glauben will. Darauf ein Bierchen <3

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… II

Teil 2 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Heute: Die Meckertanten und die, die alles für selbstverständlich nehmen

Wer kennt sie nicht. Die lieben Pferdebesitzer, die an allem was rumzunörgeln haben… Zu viel Weidegang, zu wenig Weidegang. Zu wenig Platz für ihre Sachen (ungefähr 2 LKWs voll), Stallmiete zu teuer, Heu zu wenig, Einstreu zu wenig, Wasser zu kalt, Licht zu dunkel… Ich könnte die Liste eeewig weiter führen und ich glaube, ihr kennt auch genug Punkte, die man noch hinzufügen könnte…

Hier mal eine kurze Geschichte:

Wir hatten da mal eine Einstellerin. Hat sich ständig beschwert… Mein Papa würde nicht genau genug misten, es sei zu wenig eingestreut, die Weide zu fett, der Schrank für ihre Sachen zu klein… Nach einigem Hin und Her und als meinem mehr als gutmütigen Vater dann endlich mal die Hutschnur platzte, haben wir ihr angeboten, sie könne den Anteil, den wir für Heu und Stroh berechnen an Stallmiete einsparen, sich selbst Heu und Stroh besorgen, das kostenlos einlagern und dafür auch selbst misten… Gesagt, getan.

Soll ich euch was sagen? Es ist wirklich zum schießen. Auf einmal hatten die Pferde nämlich deutlich weniger Einstreu drin, bekamen ihr Heu portioniert und gemistet wurde einmal am Tag… Jaaa, gelle. Da meckert es sich immer leicht über die Stallbetreiber, aber wenn man dann mal sieht, was wirklich an Kosten und Zeitaufwand dahinter steckt… Jaaa, da werden auch viele ganz schnell ganz leise!

Ach und zum Thema alles für selbstverständlich nehmen…

Hatten wir doch tatsächlich nen Einsteller. Wollte ausziehen. Alles geplant. Am 1. vormittags ziehen sie aus, nachmittags kommt das neue Pferd an…. Jaaa. Weit gefehlt. Am 1. Vormittags erfährt man dann als Stallbetreiber, dass der Auszug leider nicht wie geplant stattfinden kann. Hänger sei nicht verfügbar, man müsse noch einen Tag länger bleiben. Ohne Worte. Ich also den neuen Einsteller informiert, irgendwie alles geregelt, dass der Umzug am nächsten Tag über die Bühne geht… Dann hab ich der Dame 15€ berechnet für den Zusatztag (ich meine Misten, Füttern, Heu, Hafer, Stroh… ist ja alles nicht umsonst; ganz zu schweigen von dem Ärger!). Les ich nicht ernsthaft 2 Tage später auf Facebook, wie froh die Dame sei, von uns weg zu sein, da es ja eine uferlose Frechheit war, dafür noch extra Geld zu verlangen… Das würde ihr nur erneut zeigen, dass es richtig war, umzuziehen… Konnte mir grade noch verkneifen, einen Kommentar drunter zu schreiben J

Hach ja. Manchmal ist es schon wirklich interessant. Und zum Schmunzeln. Anders reagiere ich auf derlei Dinge nicht mehr. Ist mir meine Zeit zu schade für 😉 Da trink ich lieber n Bierchen und guck meinen Pferden zu.

Als Stallbetreiber erlebt man ja so allerhand… I

Teil 1 der Worst Einsteller

– Vorsicht: Blanke Wahrheit gepaart mit Ironie –

Heute: Die Unbelehrbaren

Wer kennt sie nicht. Diese Stallmitglieder, die einfach völlig beratungsresistent sind… Da werden die Reheponys lieber 20 Stunden am Tag eingesperrt, da sie nicht mehr als 4 Stunden auf dieses „böööööse“ Gras dürfen, aber schön mit Müsli, Karotten und Äpfeln vollgestopft. Denn Rehe kommt nur von dem bööööösen Gras und gar nie nicht von zu wenig Bewegung und zu viel Zucker… Da kann man denen hundert Mal von neuen Erkenntnissen, Frunktangehalt und Fressbremsen erzählen.

Auch der Hinweis, dass man mit Heunetzen dann vielleicht die Aufnahme des portionierten Heus in der Box (ihr wisst schon, 20 Stunden drin, weil das bööööse Gras) verlangsamen, damit die Fresspausen verkürzen und die Verdauung unterstützen könnte, geht einfach im Pupskonzert des verdauungsgestörten Ponys unter.

Und wenn man dann noch wagt anzusprechen, dass vielleicht ein wenig mehr Bewegung in Form einer Reitbeteiligung nicht schaden würde… Hui, da musste schnell sein, dass der böse Blick dich nicht direkt in der Stallgasse noch tötet.

So traurig das ist: Manchmal hilft nur hinnehmen und weggucken. Bei so viel Unwissen gepaart mit Beratungsresistenz kann man als normal tickender Mensch einfach nur den Kopf schütteln und gehen, sonst macht man sich selbst kaputt. Da ist jedes weitere Wort verschwendete Energie und jeder ausgedruckte Fachartikel ein umsonst gestorbener Baum… Bleibt nur zu hoffen, dass sie es irgendwann doch noch selbst merken und was daran ändern.

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Aufklärung, wo’s fruchtet und ansonsten Augen zu und durch…

…to be continued…

Sprachlos

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März 2016

Heute mal eine Geschichte, die eine Freundin aus Einsteller-Sicht erleben musste… Man weiß irgendwann nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll…

Meine Freundin kaufte sich ein Pferd. 5 Jahre alt, gesund. Stellte es in den Stall einer „Freundin“, wo es zusammen mit deren zwei Pferdchen ein beschauliches Offenstall-Leben führen sollte. Sollte!! Ihr ahnt schon – es kam alles anders als geplant…

Im Sommer fing alles so schön an: 2ha Wiese für 3 Pferdchen, meine Freundin investierte noch in einen kleinen Reitplatz und alle waren glücklich…

Dann kam der Herbst. Und damit viele Veränderungen, mit denen meine Freundin nicht einverstanden war und die so auch nicht besprochen waren.

Zunächst mal sollten die Pferde auf einmal nachts ständig in die Boxen, weil die SB nicht bereit war, draußen Heu zu füttern. Ihr wisst wie 2ha Wiese im Winter aussehen. Da steht nicht mehr viel. Also hatten die Pferde eigentlich den ganzen Tag nur ein bisschen was zu knabbern auf der Wiese, keine Unterstellmöglichkeiten und entsprechendes Futter gab es nur Nachts in den Boxen. Ich regte mich damals schon auf, da ich der Meinung bin, Heu sollte immer (auch im Sommer) zur Verfügung stehen, genau wie ein Unterstand. Das brauchen sie im Winter einfach als Schutz und zum Warmhalten. Naja gut. War zwar nicht toll, aber man konnte noch damit leben.

Die Boxenzeiten wurden nach und nach immer länger, da ein Pferd der SB einen nicht-auskurierten Sehnenschaden hat und „die Ruhe braucht“… Naja, lyncht mich bitte nicht, aber ehrlich gesagt gehört das Pferd entweder mit Schmerzmitteln versorgt – oder erlöst. Es liegt bist zu 10 Stunden täglich in seiner Box, weil es vor Schmerzen nicht mehr stehen kann. Aber wenn der Besitzer nicht bereit ist, es nach einem Unfall so zu umsorgen, dass es wieder ein schmerzfreies Leben führen kann und selbst der TA schon sagt, er könne nichts mehr tun… „Vollpumpen“ allerdings ist für die SB keine Option und so fristet das Pferd nun ein Leben zwischen Weide“gang“ und stundenlangem Liegen in der Box…

Nunja. Im Laufe des Herbstes fing das Pferd meiner Freundin an zu husten. Ich empfahl ihr – nichtsahnend – erst einmal einige Tage Hausmittelchen und wenn das Pferd trotzdem weiter hustet, mit dem TA nicht zu lange zu warten. Einige Tage später war der TA ohnehin vor Ort und hörte das Pferd ab. Es war deutlich Schleim auf der Lunge, aber nicht sonderlich schlimm. Der TA hinterfragte die Heu/Stroh-Qualität und ließ ein pflanzliches Medikament da. Auf die Frage nach der Heu- und Strohqualität hin musste meine Freundin dann doch zugeben, dass diese nicht gut ist. Und nicht gut ist leider weit untertrieben. Die Strohballen hatten schwarze Stellen! Als ich das erfuhr, riet ich ihr sofort das Gespräch mit der SB zu suchen. Die Ballen müssten weg und neue beschafft werden. Am besten vorher noch einige Tage das Heu/Stroh-Lager lüften. Ihr werdet es nicht glauben, was zurück kam. Das seien ja nun eh schon die besseren Ballen. Die anderen Ballen waren ja noch schlechter und sie entsorge ja immer das schwarze und der Rest sei ja noch gut, außerdem könne man ja von Marmelade auch den Rest noch essen, nachdem man den Schimmel entfernt hätte, das breite sich nicht aus… Boah, meine Freundin und ich waren derart stinkwütend…

Meine Freundin besorgte sofort eigenes Heu und Stroh für ihr Pferd – gut, ihr Pferd musste demnach nicht direkt im Schimmel stehen oder diesen fressen, aber wir wissen ja alle, wie sich die Sporen in der Luft verteilen, wenn das Pferd in der Nachbarbox im Schimmel steht…

Diese Diskussion ging einige Tage. Irgendwann reichte es mir. Meine Freundin kündigte den Besuch einer „angehenden Futterberaterin“ (meine Wenigkeit) im Stall an und wies darauf hin, wir würden dann auch das Schimmelstroh entsorgen und sie würde auf eigene Kosten neues besorgen. Auch dies löste wieder eine Diskussion aus. Das Stroh kommt nicht weg. Ende der Diskussion. Punkt.

Am nächsten Tag besichtigte ich mit meiner Freundin einen anderen OS in der Nähe. Deutlich teurer, deutlich weiter weg, aber zumindest stimmt die Qualität von Heu und Stroh dort. Danach fuhren wir in den aktuellen Stall, um wie besprochen, das Stroh zu entsorgen und mit der SB zu sprechen bzgl. Kündigung etc. Was soll ich sagen, jetzt kommt echt das Highlight!! Als wir in dem Stall ankamen, war dort kein Staubkorn zu finden, alles bis aufs peinlichste neu gemistet und eingestreut und (!) das Heu/Stroh-Lager war abgesperrt!! Kann man das fassen? Da sperrt jemand schimmliges Stroh weg! Ich wusste wirklich nicht mehr, was ich dazu noch sagen sollte. Unfassbar! Aber davon mal abgesehen, ich betrat die Box des Pferdes der SB und wäre beinah rückwärts wieder rausgefallen. Beim Betreten hatte man schon modrig staubigen Geruch in der Nase, einmal ein Büschelchen angefasst und man wusste definitiv, woher der Geruch kam… Dann das Heu: Einmal Nase reingehalten und 15 Mal Niesen als Antwort… Die Entscheidung war gefallen. Das Pferd meiner Freundin musste asap hier weg.

Naja.  Drei Tage später zog Stuti da aus. Nach einer Woche im neuen Stall war sie hustenfrei. Beim Abholen der restlichen Sachen meiner Freundin fanden wir ein neues Pferd in ihrer alten Box. Hustend.

Bei manchen Menschen ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Traurig. Aber isso.

Eure Offenstalltussi

PS: Eine entsprechende Meldung ist geplant.

Winterblues oder Burn-Out im Selbstversorger-Offenstall

Februar 2016

 

Ein heikles Thema. Dennoch möchte ich es einmal aufgreifen. In vielen Foren lese ich aktuell vom „Winterblues“ von Eigenregie-lern, die nicht mehr wollen oder können. Das liegt ja oft nah beieinander das Wollen und das Können.

Wer könnte es einem verdenken. Man kämpft täglich mit zum Teil widrigsten Bedingungen: nass-kaltes, ekelhaftes Wetter, zum Teil grausame Bodenverhältnisse, kein Licht, kein fließend Wasser… Es ist schon wirklich erstaunlich, was viele sich zum (vermeintlichen) Wohl ihrer Pferde neben Vollzeit-Job und oftmals Familienmanagement noch alles so antun. Da wird im Halbdunkel frühs oder spät abgeäppelt, Heunetze gestopft, Wasser in Kanistern geschleppt und mit teilweise sehr kreativen Lösungen vor dem Einfrieren bewahrt. Das alles erscheint einem wie Sisyphus-Arbeit, liebevoll auch „und täglich grüßt das Murmeltier“ oder „same shit – different day“ genannt.

Ich ziehe meinen Hut vor all denen, die unter solchen Bedingungen über Jahre hinweg für ihre Pferde kämpfen.

Aber geht es unseren Pferden dadurch wirklich besser? Haben unsere Pferde was davon, wenn wir uns aufarbeiten, physisch wie psychisch? Wenn wir in den Wintermonaten wochenlang nicht aufs Pferd kommen und vor lauter Arbeit gestresst und fix und alle sind? Wir alle sagen „unsere Pferde spiegeln uns“. Tun wir uns und ihnen also wirklich einen Gefallen, wenn wir uns für sie kaputt arbeiten? Ich hinterfrage das absichtlich so kritisch. Auch ich war letzten Winter an einem Punkt, wo ich nicht mehr konnte. Mein Pferd war wochenlang krank, musste wegen mangelnder Bodenbefestigung und stoffwechselbedingter Mauke nachts in die Box. Also täglich Box misten, zusätzlich zum Paddock abäppeln, was wirklich Schwerstarbeit ist, wenn man mit dem Schubkarren kaum mehr durch den Matsch kommt. Jeden Tag drin zusätzlich füttern, die Mauke versorgen und dabei immer wieder Rückschläge erleben… Ich war wirklich am Ende.

Zum Glück hatte ich zu der Zeit 2 ganz wunderbare Reitbeteiligungen – und meine Eltern, auf die ich wirklich immer zählen kann. Hab mich dann spontan entschlossen, 2 Wochen weg zu fahren. Meine Mädels haben die Maukepflege übernommen, Papa das Misten. Ich traute meinen Augen kaum, als ich 2 Wochen später wieder zu Hause war. Ich war wirklich zu Tränen gerührt. Aber ich bin auch ehrlich. Wäre mir diese 2-wöchige Auszeit nicht ermöglicht worden – ich wäre zusammengeklappt. Und auch meinem Pferd schien es gesundheitlich sehr gut getan zu haben, dass ich mit meinen negativen Gedanken, Sorgen und meiner Überlastung einige Zeit nicht in seiner Nähe war. Mein Pferd ist sehr sensibel und spiegelt mich (leider) sehr intensiv.

Was können wir also tun, damit es uns nicht so geht? Ich versuche hier mal ein paar Punkte zusammen zu stellen, die uns sehr geholfen haben. Es sind sicher nicht alle für jeden realisierbar, aber oft hilft ja schon eine gewisse Erleichterung, damit man wieder Motivation und Aufschwung bekommt und nicht mehr alles so schwarz sieht.

Tipps und Tricks gegen den Winterblues:

  • Mal 5e grade sein lassen! Nehmt euch die Zeit für eure Pferde. Die sterben nicht, wenn mal einen halben Tag später abgemistet wird. Geht raus, genießt die Zeit im Gelände. Das tut auch dem geschundenen Rücken gut.
  • Sucht euch Unterstützung! Ob das eine RB ist, eine PB, die Familie oder ein Einsteller. Man braucht Leute, die verlässlich sind, die mithelfen und die einem mal einen freien Tag ermöglichen.
  • Versucht Arbeitsgänge zu erleichtern! Ja, nicht jeder hat einen landwirtschaftlichen Background und damit schwere Maschinen zur Unterstützung. Aber oft hilft es schon, wenn man statt 10 Netze zu stopfen auf eine Raufe umschwenkt. Macht den Misthaufen näher an den Paddock, befestigt eure Laufwege. Investiert in frostfreie Tränken. Manchmal reicht auch schon eine neue Äppelgabel oder ein leichterer Schubkarren.
  • Gönnt euch auch mal was! Geht mal zur Massage, schön Abendessen mit dem Partner, ins Kino oder auch einfach mal in die Badewanne mit Kerze, nem Glas Wein und nem guten Buch.

Wir tun alle unser Möglichstes, damit es unseren Vierbeinern gut geht. Aber bitte, bitte! vergesst dabei nicht euch selbst. Niemand, weder eure Tiere noch eure Familie, hat etwas davon, wenn ihr irgendwann wirklich zusammen klappt. Achtet auf euch, wenigstens halb so viel wie ihr auf eure Tiere achtet, dann kann es so schlimm gar nicht werden.

Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere (gern per Mail, wenn ihr anonym bleiben möchtet) noch seine Erfahrungen zu dem Thema schildert.

In diesem Sinne: Passt auf euch auf, gönnt euch n Bierchen und lasst es euch gut gehen!

Liebe Grüße
Eure Offenstalltussi

Wie kam es denn zur „Offenstalltussi“

Januar 2016

Da bin ich doch letztens in einer Facebook Gruppe tatsächlich als „Öko-Reiter“ tituliert worden… Hm. Was soll das denn sein? Hab dann mal gegoogelt und folgende Definition gefunden: Öko-Reiter – Boxenhaltung? Auf gar keinen Fall! Die armen Pferde! Nur Offenhaltung! Oder besser nur Weide mit Unterstand. Niemals nie wird ihr Pferd „hinter Gitter“ gebracht. Auch Trensen sind verboten, oder Sättel, oder eigentlich jegliche Art von „Unterwerfung“. Am besten nur mit Halsring in den Wald, wenn sie sich überhaupt auf ihr Pferd setzten und es nicht nur an der langen Leine spazieren führen. (Quelle: eqwo.net)

Ääääh, nein das bin ich nicht.
Aber auch die anderen in der Online-Reiterwelt geläufigen Begriffe „Öko-Offenstallmutti“, „Wald und Wiesen Hoppler“, „Wendy“ oder „Ostwindreiter“ treffen es nicht. „Zylinderzicke“ auch nicht und „Springreiter“ dank Arthrose schon drei Mal nicht.

Ich reite gern und viel, achte darauf, dass mein Pferd ordentlich trainiert und gymnastiziert wird, es hat passendes Zubehör und ein Halsring gehört nicht dazu…
Müssen wir dafür nun einen eigenen Begriff finden? Also für die Reiter, die ihre Pferde artgerecht in Gruppen in Offenställen halten, sie voll trainieren und gymnastizieren, ja sogar eindecken & scheren, Eisen drunter nageln und Kraftfutter reinstopfen (allein für die letzten 3 Punkte wird man ja gern schon fast als Tierquäler gesehen)… Oh und wartet, jetzt kommt’s: Manche nutzen sogar eine Kandare UND manchmal Sporen. Obendrein laufen sie nicht wie der letzte Lenz im Stall rum, achten also auf ordentliche und qualitative Outfits für sich und ihr Pferd. Und das alles, obwohl man keine Wettbewerbe in Form von Turnieren reitet, keine Halle hat und der Grasreitplatz nicht mal mit Flutlicht ausgestattet ist? Jaa, das gibt’s. Wollen viele sicher kaum glauben.

Warum ich mir das antue? Ganz einfach: Weil ich es kann. Meinem Pferd zu Liebe.

Tatsache ist, ich könnte mir Besseres vorstellen als mich selbst um alles zu kümmern (neeein, ich vergesse an dieser Stelle nicht, meine lieben Einsteller  ♥). Ich könnte auch Besseres mit meiner Zeit anfangen als mich um alles selbst zu kümmern. Aber ich habe ein Pferd, das vorher in Boxenhaltung stand. Ja, die ganz fiese Art davon. Box, Mini-Paddock und mit Glück mal etwas Wiese – zu zweit! Dazu ist das Pferd schwerfuttrig und rangnieder… Wo also könnte ich ihm derart ideale Bedingungen bieten wie bei mir zu Hause? Richtig! Nirgends. Deswegen tu ich mir das an. Billiger ist es sicher nicht. Spaß macht es öfter mal auch nicht so richtig. Aber dann guckt man sein Pferd an, sieht es friedlich und glücklich mit seinen Kumpels und weiß: Alles richtig gemacht!

So, wie nennen wir das also? Heutzutage muss ja für alles ein Begriff existieren. Ich vote für Offenstalltussi. Ja, damit kann ich leben. Darauf trink ich heut Abend ein Bierchen. Nach dem Training. Wenn der Große sein Kraftfutter mümmelt.

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi