#huntinginternational – oder Frühjahrsjagd in Netolice

Man wächst mit seinen Aufgaben oder wie war das?

Die sportliche Truppe des SVB hat sich jedenfalls Anfang des Jahres entschieden nach der gelungenen Herbstjagdsaison direkt mit einem „Brett“ ins Frühjahr zu starten. Es war einfach eine unbeschreibliche Erfahrung. Tolle Hunde, tolle Pferde und genauso tolle Reiter. Eine unbeschreibliche Landschaft mitten im Böhmerwald, neue sportliche Herausforderungen und einfach insgesamt ein geniales Event. Aber fangen wir doch ganz am Anfang an…

Februar 2017

Wir erhalten die Einladung… Start der Planungen. Einiges an hin und her überlegen. Letztlich dann doch die Entscheidung: Wir fahren nach Tschechien zum Jagdreiten. 4 Mädels, 4 Pferde – ein Abenteuer.

April 2017 – es wird Ernst

Gefühlt waren wir alle etwas in Trainingsrückstand, da der Wintereinbruch im Februar uns nochmal 2 Wochen Konditionstraining verleidet hat. Naja. Der Geländekurs im März lief für alle Beteiligten erfolgreich und so waren wir dann doch guter Dinge, dass unsere Ponys das heil überstehen werden – die Aussicht auf einer richtigen Hindernis-Rennbahn reiten zu dürfen tat natürlich ihr Übriges.

Donnerstag, 20.04.17

Dagmar und Bel treten den ersten Teil der rund 450km einfach an. Anreise vom Chiemsee in die Holledau. Kurzes Beinevertreten auf dem Paddock, Box beziehen, Hänger und Auto beladen bis spät abends. Letztendlich dann doch noch was essen, duschen und ins Bett fallen. Ich hatte wenig Schlaf, irgendwie war ich dann doch nervös.

Freitag, 21.04.17 – es geht los

Morgens halb 9 in Deutschland. Pferde verladen, Kaffeekanne befüllt, noch eben tanken, dann gehts los.

Hänger

Gut 4 Stunden später, nach einer kleinen Offroad-Aktion im Böhmerwald, den Todes-Serpentinen runter ins Tal und gefühlt 7l Kaffee waren wir dann da: Schloss Kratochvile in Netolice. Die Pferde durften stilecht im Rennstall wohnen, die Stallburschen waren allesamt bemüht und nett und toll zu den Pferden. So fuhren wir also ein paar KM weiter in unser Hotel zum Umziehen, frisch machen und was trinken vor der ersten Runde über die Bahn. Da saßen wir dann bei unserem wohlverdienten Radler als wir auf einmal vom Nachbartisch her die Warnung erhielten „Mädels, die 0,0 werden hier sehr ernst genommen!!“ – Na gut. Schnell wurden 2 Radler in Apfelschorle getauscht und schon fuhren wir zurück zum Stall.

Pferde fertig machen und los gehts

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Den Freitagabend ließen wir dann im Hotel ausklingen bei Steak zu sehr erschwinglichen Preisen, einigen Radlern und Wodka und in netter Gesellschaft anderer Jagdreiter aus aller Herren Länder. Auch die Equipage der Vogelsberger lernten wir hier kurz kennen.

Samstag, 22.04.17 – Gute Jagd

Samstag morgen gab es ein kurzes Frühstück im Hotel und dann gings auch schon ab zum Schloss. Kurz prüfen, dass es den Pferden gut geht, Capgeld und sonstiges bezahlen und dann sind wir bayerischen Atheisten, die englische Protestanten reiten doch tatsächlich zur Hubertusmesse gegangen. Das war wirklich eine schöne Andacht, ganz unter uns in der kleinen Schlosskapelle, stilvoll untermalt von den Jagdhornbläsern.  Gänsehautstimmung kam hier sicher nicht nur wegen der kühlen Temperaturen in der Kapelle auf. Im Anschluss daran gab es das Jagdfrühstück und schon waren wir dabei die Pferde zu satteln und fertig zu machen, denn um 12.30 Uhr sollte der „erste Run“ direkt an der Rennbahn starten.

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Tatsächlich startete alles etwas chaotisch. Für uns Bayern war der Losritt der Schleppenleger und das Anlegen der Hunde irgendwie kurz nicht richtig ersichtlich, zeitgleich hatte ein Pferd seinen Reiter verloren und wir waren kurz unschlüssig, ob wir noch warten oder hinterher gehen sollten. Da aber schließlich das Jagfeld abzureißen drohte, galoppierten wir los und hatten eine – nennen wir es mal – ereignisreiche erste Schleppe.

Die zweite Schleppe war kaum weniger nervenaufreibend, endete sie doch direkt nach dem ersten der sagenumwobenen Gräben.

Da die dritte Schleppe quasi direkt weiter ging, blieb uns nicht viel Zeit zum Nachdenken. Sonja und Nancy hatten sich schon für das zweite Jagdfeld entschieden, ich war noch etwas unschlüssig. Leider scheuten einige Pferde vor dem nächsten Graben – so dann auch Jules. Also suchte ich mir kurzerhand eine Alternativroute – Dagmar wartete auf mich und eine Mitreiterin (hallo Saskia 😉 ). Das nächste Hindernis war ein Wall, den man in zwei Sprüngen überwinden musste und hier kam Jules aufgrund der Bodenverhältnisse (Sand, der unter seinen Hufen nachgab) ins Straucheln. Aber mein grandioses Pferd entschied sich wie immer cool zu bleiben, er stützte sich im Hang ab, ich stieg ab, er stand auf und arbeitete sich hoch. Oben angekommen saß ich wieder auf und die wilde Jagd konnte weitergehen.

Diese Aktion hatte mir dann doch etwas den Schneid abgekauft und ich entschied, vorerst mit den anderen im zweiten Feld zu bleiben. Die Waldschleppe war durchaus auch nochmal ne große Herausforderung, denn grade den nicht ganz kleinen Reitern auf den nicht ganz kleinen Pferden blieb schlicht nichts anderes übrig als sich flach auf den Hals zu legen und darauf zu vertrauen, dass das Pferd das schon machen wird. Diese Schleppe bescherte einigen blutige Gesichter, aber im großen und ganzen kamen wir gut durch.

Nach der Pause ging es nicht weniger sportlich weiter, aber zumindest kamen da keine großen Überraschungen mehr.

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Beim Halali waren sich alle einig: Große Herausforderung, großartiges Erlebnis, von allen toll gemeistert und das wichtigste: jeder einzelne Reiter hatte „das beste Pferd unterm Arsch“ 😉

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Fix und alle aber glücklich ging es dann nach kurzer Einkehr im Schlossrestaurant zurück ins Hotel, um uns für das Dinner plus Tanz abends im Schlosssaal fertig zu machen.

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Ein netter Abend in schicken Kleidern, mit tollem Essen und Wein wurde dann mit einem Absacker im Hotel in kleiner Runde beendet.

Sonntag, 23.04.17

Nach etwas Ausschlafen und check-out trafen wir uns wieder am Stall, um ein letztes Mal gemeinsam über die Bahn zu reiten. Locker flockig einige Runden galoppieren, ein paar Sprünge mitnehmen und so ein wundervolles Wochenende beenden. Danach machten Dagmar und ich uns auf den Heimweg, der auch deutlich weniger beschwerlich war als der Hinweg. Auf dem Weg nach Hause machten wir noch eben klar, dass wir am Wochenende danach in Roth die Frühjahrsreitjagd reiten würden.

Fazit: Es war ein unglaubliches Erlebnis und da wir so nett aufgenommen wurden, wir und unsere Pferde so sehr über uns hinaus gewachsen sind und wir vor allem alle das ohnehin schon große Vertrauen in unsere Pferde noch mehr vertieft haben, werden wir nächstes Jahr sicher wieder anreisen. Da nun klar ist, dass es auch die Möglichkeit gibt, sich Paddocks abzustecken, werden Dagmar und ich dann auch die Montagsjagd noch mitnehmen, denn mit einem Paddock kann ich das auch dem Herrn Jules zumuten.

An dieser Stelle möchte ich noch ein großes Lob aussprechen an die Vogelsberger Equipage und ihre grandiosen Beagles. Trotz der sehr wenigen Trainingsmöglichkeiten wegen der Brut- und Setzzeit waren die Hunde wirklich auf zack. Spurtreu, unglaublich schnell und einfach nur hammer!! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Nürnberg und natürlich spätestens nächstes Jahr in Netolice!

 

Wenn jemand nähere Infos oder noch mehr Bilder sehen möchte, darf er oder sie mich gerne anschreiben 🙂

Darauf trink ich grad noch ein Bierchen – Prost!
Eure Offenstalltussi

 

10 kleine Helferlein

Februar 2016

HELFERLEIN

Hier hab ich mal 10 äußerst nützliche, zweckentfremdete Dinge zusammengetragen, die bei mir ständig im Einsatz sind:

  1. Messbecher in verschiedenen Größen – ideal zum abmessen/-wiegen verschiedener Futtermittel.
  2. Gemüsereibe – zum Reiben von Karotten oder Äpfeln (wenn man mal was weniger schmackhaftes unterjubeln muss).
  3. Elektrische Kaffeemühle – zum „Schroten“ von allerlei Kleinkram wie Leinsamen, Schwarzkümmel oder Hagebutten.
  4. Wasserkocher – für all diejenigen, die wie ich kein Warmwasser im Stall haben.
  5. Die Plastikbehälter der Haribo-Großpackungen. Lebensmittelecht, durchsichtig. Ideal zum Verstauen von saisonal benutzten Futtermitteln (Kräuter, Hagebutten, Bierhefe etc.) oder auch um den Kleingrusch ordentlich und schnell greifbar zu sortieren.
  6. Großer Plastik-Kochlöffel – zum Umrühren der Cobs/KraFu-Pampe.
  7. Ein großes scharfes Messer – zum Aufschlitzen von Futtersäcken, zum Kleinschneiden von dicken Karotten, zum Abschneiden von Panzertape beim Huf verbinden… da gibt es unzählige Einsatzmöglichkeiten.
  8. Gefriertruhe – ihr wisst gar nicht wie toll sich eine ausgediente Gefriertruhe in der Futterkammer macht… Hafer, Luzerne etc., alles ist mäuse- und erfrierungssicher verwahrt und die Handhabung ist einfach praktisch. Klappe auf, Futter schöpfen, Klappe zu – Fertig. Außerdem kann man die geschlossene Truhe auch noch super zum erhöhten Abstellen der Eimer nutzen, wenn man mal wieder zig Pülverchen und Kräuterchen untermischen muss.
  9. Küchenwaage oder Löffelwaage – ich hab die von Rossman, digital, grammgenau und mit Zuwiegefunktion… Nicht mehr wegzudenken aus der Futterkammer.
  10. Styroporboxen – solche wie sie der Pizza-Lieferdienst z.B. benutzt. Wozu? Darin kann man allerlei Cremes, Flüssigkeiten etc. Vor Erfrierungen und Überhitzung bewahren. Grade wenn man keine beheizte Sattelkammer hat, wird sonst das mal eben Zinksalbe auftragen durchaus zum Kraftakt. 🙂

Was sind eure kleinen Helferlein? Habt ihr noch was hinzuzufügen?  Ich freu mich auf Eure Kommentare!

Bis dahin, genießt das WE – Prost!
Eure Offenstalltussi

Wie kam es denn zur „Offenstalltussi“

Januar 2016

Da bin ich doch letztens in einer Facebook Gruppe tatsächlich als „Öko-Reiter“ tituliert worden… Hm. Was soll das denn sein? Hab dann mal gegoogelt und folgende Definition gefunden: Öko-Reiter – Boxenhaltung? Auf gar keinen Fall! Die armen Pferde! Nur Offenhaltung! Oder besser nur Weide mit Unterstand. Niemals nie wird ihr Pferd „hinter Gitter“ gebracht. Auch Trensen sind verboten, oder Sättel, oder eigentlich jegliche Art von „Unterwerfung“. Am besten nur mit Halsring in den Wald, wenn sie sich überhaupt auf ihr Pferd setzten und es nicht nur an der langen Leine spazieren führen. (Quelle: eqwo.net)

Ääääh, nein das bin ich nicht.
Aber auch die anderen in der Online-Reiterwelt geläufigen Begriffe „Öko-Offenstallmutti“, „Wald und Wiesen Hoppler“, „Wendy“ oder „Ostwindreiter“ treffen es nicht. „Zylinderzicke“ auch nicht und „Springreiter“ dank Arthrose schon drei Mal nicht.

Ich reite gern und viel, achte darauf, dass mein Pferd ordentlich trainiert und gymnastiziert wird, es hat passendes Zubehör und ein Halsring gehört nicht dazu…
Müssen wir dafür nun einen eigenen Begriff finden? Also für die Reiter, die ihre Pferde artgerecht in Gruppen in Offenställen halten, sie voll trainieren und gymnastizieren, ja sogar eindecken & scheren, Eisen drunter nageln und Kraftfutter reinstopfen (allein für die letzten 3 Punkte wird man ja gern schon fast als Tierquäler gesehen)… Oh und wartet, jetzt kommt’s: Manche nutzen sogar eine Kandare UND manchmal Sporen. Obendrein laufen sie nicht wie der letzte Lenz im Stall rum, achten also auf ordentliche und qualitative Outfits für sich und ihr Pferd. Und das alles, obwohl man keine Wettbewerbe in Form von Turnieren reitet, keine Halle hat und der Grasreitplatz nicht mal mit Flutlicht ausgestattet ist? Jaa, das gibt’s. Wollen viele sicher kaum glauben.

Warum ich mir das antue? Ganz einfach: Weil ich es kann. Meinem Pferd zu Liebe.

Tatsache ist, ich könnte mir Besseres vorstellen als mich selbst um alles zu kümmern (neeein, ich vergesse an dieser Stelle nicht, meine lieben Einsteller  ♥). Ich könnte auch Besseres mit meiner Zeit anfangen als mich um alles selbst zu kümmern. Aber ich habe ein Pferd, das vorher in Boxenhaltung stand. Ja, die ganz fiese Art davon. Box, Mini-Paddock und mit Glück mal etwas Wiese – zu zweit! Dazu ist das Pferd schwerfuttrig und rangnieder… Wo also könnte ich ihm derart ideale Bedingungen bieten wie bei mir zu Hause? Richtig! Nirgends. Deswegen tu ich mir das an. Billiger ist es sicher nicht. Spaß macht es öfter mal auch nicht so richtig. Aber dann guckt man sein Pferd an, sieht es friedlich und glücklich mit seinen Kumpels und weiß: Alles richtig gemacht!

So, wie nennen wir das also? Heutzutage muss ja für alles ein Begriff existieren. Ich vote für Offenstalltussi. Ja, damit kann ich leben. Darauf trink ich heut Abend ein Bierchen. Nach dem Training. Wenn der Große sein Kraftfutter mümmelt.

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi