Aufwärmen für Fortgeschrittene

Ich werde zur Zeit öfter Mal gefragt, was ich bei der Dressurarbeit so an Aufwärmübungen mache. Ehrlich gesagt ist das gar nicht so schwer.

Ich fange immer an mit einigen Bahnen am langen Zügel im Schritt. Danach folgen ein bis zwei Bahnen mit angenommenem (rahmengebendem) Zügel. Da ich ja dressurmäßig nach der akademischen Reitweise arbeite, reite ich hier mit Semikappzaum und Renaissancekandare. Mit dieser Kombination fühlen Herr Pferd und ich uns am wohlsten und es fällt ihm am leichtesten loszulassen.

Ich frage also während dieser Zeit am rahmengebenden Zügel immer wieder über leichte Impulse am Kandarenzügel, ob er sich ans Gebiss herandehnen möchte. In der Regel tut er das auch.

Dann reite ich je Hand im Schritt folgende Lektionen (jaa, wir sind immer noch beim Warmreiten) jeweils an der langen Seite der Bahn:

  • Schulterherein
  • Kruppherein
  • Renverse
  • je halbe lange Seite Kruppherein/Schulterherein
  • je halbe lange Seite Schulterherein/Renverse
  • Traversale zum Handwechsel

Wenn hier alles auf beiden Händen gut geklappt hat, wiederhole ich das ganze im Trab.

Im Zuge der Übungen wiederhole ich immer wieder die Impulse am Kandarenzügel, sodass er sich während der Aufwärmphase bereits leicht in Aufrichtung begeben kann.

Dann sind wir beide schön warm und beweglich und können mit der eigentlichen Arbeit anfangen.

Fehlerfinden/Problem beheben:

Nun. Natürlich haben auch Jules und ich weniger gute Tage. Mal zwickt es ihn wo, mal mich. Wenn der Fehler nicht an mir liegt (schlechter Sitz durch zB Verspannung oder schlechte Konzentration), dann kann ich ziemlich sicher sein, dass es Jules irgendwo zwickt und es gilt herauszufinden, wo und wie man das beheben kann.

Wenn er sich schon am Anfang schlecht lösen will, also sich im Genick verwirft und/oder im Kiefer fest macht, dann ist es bei uns reine Konzentrationssache. Das heißt, ich muss ihn mehr beschäftigen und seine Aufmerksamkeit zu mir holen. In solchen Fällen wechsle ich in die Zirkelarbeit. Dort frage ich dann Schulterherein und Kruppherein im Wechsel ab, oft nur 2-3 Tritte und umstellen. Außerdem baue ich dann gerne Schritt-Halt-Schritt-Übergänge ein (und im weiteren dann auch Trab-Halt-Trab; dies ist im Übrigen auch eine wunderbare Übung, um das Pferd mehr auf die Hinterhand zu setzen).

Merke ich bei einem der Seitengänge, dass ihm eine Seitengang speziell oder auch eine Hand allgemein schwerer fällt, arbeite ich langsam aber kontinuierlich an genau diesem Problem. Oft beginne ich dann mit nur 2-3 korrekten Tritten, richte sofort gerade, lobe und es gibt eine kurze Pause in Form von Abstrecken dürfen. Das steigere ich dann langsam über mehrere ganze Bahnen, bis er mindestens die Hälfte der langen Seite korrekt bewerkstelligen kann. Ich bitte dabei zu beachten, dass ich mein Pferd dahingehend mittlerweile sehr gut kenne und natürlich nicht Übungen weiter abfrage, wenn ich merke, dass ihm etwas wirklich unangenehm ist. Aber im Großen und Ganzen sehe ich Seitengänge – vor allem im Schritt – als Bewegungs- bzw. Physiotehrapie (und seien wir ehrlich, wir finden auch nicht immer angenehm, was der Physiotherapeut mit uns macht, dennoch geht es uns hinterher viel besser 😉 )

Seit wir diese Beständigkeit im Training haben, die man so vielseitig einsetzen kann (andere Abfolge der Lektionen, ab und an baue ich den spanischen Schritt mit ein oder reite die Übungen auch auf der Mittellinie bzw. dem Zirkel), läuft unser Training wirklich um ein Vielfaches besser.