(Getreidefreies) Müsli selber mischen

Januar 2016

 

Immer wieder lese ich in diversen Foren, dass andere Pferdehalter ihren Pferden Fertigfutter geben, weil sie z.B. getreidefrei ernährt werden sollen oder andere Gründe gegen die klassische Heu/Hafer Ernährung sprechen (und ja, ich halte Heu/Hafer für die ideale und klassische Art der Pferdeernährung).

Ich persönlich kann den fertigen Müslimischungen nichts abgewinnen. In jedem einzelnen sind Inhaltsstoffe enthalten, die ich meinem Pferd nicht füttern möchte und die dem gesunden Menschenverstand nach eigentlich nichts im Pferd verloren haben. Wir sprechen da von Dingen wie Erbsenpulver, Trester, Melasse, Kräutern, Kartoffelstärke, usw. usw. Manches davon hat – bei Bedarf und gezielt gefüttert – durchaus seine Berechtigung. Allerdings nicht als dauerhafter Bestandteil des Grundfutters.

Was kann man also alternativ füttern? Ich bin der Meinung mit etwas Hintergrundinfo kann jeder ein auf sein Pferd individuell abgestimmtes Müsli selbst mischen.

Was brauchen wir?

Grundbestandteil könnte je nach Energiebedarf z.B. Luzerne- oder Heuhäcksel sein. Diese gibt es von einem Energiegehalt, der niedriger ist als der von Heu bis hin zu wirklich hohen Energiewerten in allen möglichen Variationen. Ich würde immer zur unmelassierten Variante greifen.

Dazu kann man gut Ölsaaten geben. Hier bietet sich z.B. (vor allem auch im Fellwechsel) Leinsamen an, den kann man frisch geschrotet, direkt so verfüttern (ohne lästiges kochen und quellen lassen). Auch Sonnenblumenkerne werden gern gefressen. Zur Stärkung des Immunsystems würde sich z.B. noch Schwarzkümmelsamen anbieten.

5-10 Hagebutten am Tag sind ein leckeres Schmankerl (Vorsicht! Hoher Zuckergehalt!) und zudem vor allem bei Arthrosepatienten wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung beliebt. Der hohe Vitamin C Gehalt ist auch für das Immunsystem sehr gut.

Ich habe auch nichts gegen Saftfutter, mein Pferd darf gerne ein bisschen Karotten, rote Beete oder mal einen Apfel haben – gibt es im Zweifel auch als trocken-verfütterbare Chips fertig zu kaufen.

Auch Kräuter kann man hier gut verfüttern. Allerdings bitte keine Kräuter einfach so füttern. Dies sollte immer von einem Fachmann aufs Pferd abgestimmt werden. Jedoch kann man mit dem einen oder anderen Kraut das ein oder andere Wehwehchen natürlich unterstützen. Es lohnt sich also durchaus, sich damit einmal näher zu befassen.

Gerade zum Fellwechsel bietet sich auch das Verfüttern von Bierhefe, je nach Pferd mit oder ohne Treber an. Diese kann man sehr gut in sein selbstgemischtes Müsli integrieren.

Ein Müsli für ein eher leichtfuttriges Pferd könnte demnach so aussehen:

  • 100g Luzernehäcksel von Lexa oder Agrobs Aspero
  • Eine Espressotasse Sonnenblumenkerne
  • 5 Hagebutten
  • Eine Karotte
  • Im Fellwechsel zusätzlich 10g pro 100kg Körpergewicht von der Bierhefe ohne Treber

Ein Müsli für ein eher schwerfuttriges Pferd könnte so aussehen

  • Luzernehäcksel von Höveler, Goldhorse oder Agrobs Luzerne+
  • 100g Sonnenblumenkerne
  • frisch geschroteter Leinsamen oder Leinöl (Öl bitte langsam anfüttern!)
  • 10 Hagebutten
  • einige Karotten, rote Beete oder ein Apfel
  • Im Fellwechsel zusätzlich Bierhefe mit Treber

Für diejenigen, die ihr Pferd zwar natürlich und fertigfutter-frei aber nicht getreidefrei ernähren möchten, bietet sich natürlich immer noch die Zugabe von Hafer an.

Statt der Häcksel gehen z.B. auch Luzernecobs sehr gut, die sollten aber eingeweicht werden. Im Winter füttere ich sie gern in warmem Tee eingeweicht, dann hat das Pferd auch mal eine warme Mahlzeit zwischendurch.

Wie kam es denn zur „Offenstalltussi“

Januar 2016

Da bin ich doch letztens in einer Facebook Gruppe tatsächlich als „Öko-Reiter“ tituliert worden… Hm. Was soll das denn sein? Hab dann mal gegoogelt und folgende Definition gefunden: Öko-Reiter – Boxenhaltung? Auf gar keinen Fall! Die armen Pferde! Nur Offenhaltung! Oder besser nur Weide mit Unterstand. Niemals nie wird ihr Pferd „hinter Gitter“ gebracht. Auch Trensen sind verboten, oder Sättel, oder eigentlich jegliche Art von „Unterwerfung“. Am besten nur mit Halsring in den Wald, wenn sie sich überhaupt auf ihr Pferd setzten und es nicht nur an der langen Leine spazieren führen. (Quelle: eqwo.net)

Ääääh, nein das bin ich nicht.
Aber auch die anderen in der Online-Reiterwelt geläufigen Begriffe „Öko-Offenstallmutti“, „Wald und Wiesen Hoppler“, „Wendy“ oder „Ostwindreiter“ treffen es nicht. „Zylinderzicke“ auch nicht und „Springreiter“ dank Arthrose schon drei Mal nicht.

Ich reite gern und viel, achte darauf, dass mein Pferd ordentlich trainiert und gymnastiziert wird, es hat passendes Zubehör und ein Halsring gehört nicht dazu…
Müssen wir dafür nun einen eigenen Begriff finden? Also für die Reiter, die ihre Pferde artgerecht in Gruppen in Offenställen halten, sie voll trainieren und gymnastizieren, ja sogar eindecken & scheren, Eisen drunter nageln und Kraftfutter reinstopfen (allein für die letzten 3 Punkte wird man ja gern schon fast als Tierquäler gesehen)… Oh und wartet, jetzt kommt’s: Manche nutzen sogar eine Kandare UND manchmal Sporen. Obendrein laufen sie nicht wie der letzte Lenz im Stall rum, achten also auf ordentliche und qualitative Outfits für sich und ihr Pferd. Und das alles, obwohl man keine Wettbewerbe in Form von Turnieren reitet, keine Halle hat und der Grasreitplatz nicht mal mit Flutlicht ausgestattet ist? Jaa, das gibt’s. Wollen viele sicher kaum glauben.

Warum ich mir das antue? Ganz einfach: Weil ich es kann. Meinem Pferd zu Liebe.

Tatsache ist, ich könnte mir Besseres vorstellen als mich selbst um alles zu kümmern (neeein, ich vergesse an dieser Stelle nicht, meine lieben Einsteller  ♥). Ich könnte auch Besseres mit meiner Zeit anfangen als mich um alles selbst zu kümmern. Aber ich habe ein Pferd, das vorher in Boxenhaltung stand. Ja, die ganz fiese Art davon. Box, Mini-Paddock und mit Glück mal etwas Wiese – zu zweit! Dazu ist das Pferd schwerfuttrig und rangnieder… Wo also könnte ich ihm derart ideale Bedingungen bieten wie bei mir zu Hause? Richtig! Nirgends. Deswegen tu ich mir das an. Billiger ist es sicher nicht. Spaß macht es öfter mal auch nicht so richtig. Aber dann guckt man sein Pferd an, sieht es friedlich und glücklich mit seinen Kumpels und weiß: Alles richtig gemacht!

So, wie nennen wir das also? Heutzutage muss ja für alles ein Begriff existieren. Ich vote für Offenstalltussi. Ja, damit kann ich leben. Darauf trink ich heut Abend ein Bierchen. Nach dem Training. Wenn der Große sein Kraftfutter mümmelt.

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi